WEG-WALD-Graffiti

Weg-und Wald Graffiti

Bilder, Zeichen und Markierungen verändern den Blick

Natürlich haben viele oder sogar die meisten Wegzeichen oder Baummarkierungen eine Bedeutung, weisen auf etwas hin, grenzen ab oder bilden Besitzstandmarken (z.B. bei gefällten Bäumen im Stapel). Viele dieser Zeichen sind verschlüsselt und nur die Experten, wie z.B. Waldbauern, die das grafische Alphabet verstehen oder entsprechend Eingeweihte können die Zeichen entschlüsseln und hieraus ihre Konsequenzen ziehen. Oder der Wanderer kennt ein Hinweiszeichen am Baum für seinen Weg, das für einen Ahnungslosen ein einfaches grafisches Bild ist. Oder nur der Verliebte, der die Initialen seiner Angebeteten irgendwo am Wegesrand eingeritzt hat, kann diese vielleicht auch nach Jahren noch entschlüsseln.

Doch bei dem Projekt Weg-und Wald-Graffiti geht es nicht um die Verschlüsselung oder Entschlüsselung von Zeichen und Markierungen, sondern um das Eingreifen von Form und Farbe in den Wald oder Weg.  Auch wenn der Wanderer auf seinem Weg vielleicht vor lauter Bäumen die Zeichen nicht mehr sieht, ist das verständlich. Sind diese doch eher kleine und für die Meisten eben ohne Bedeutung. Auch wenn sie der Natur ihren farbigen Stempel aufdrücken, sind sie weder bedrohlich noch beachtenswert.

Sieht man jedoch genauer hin merkt man plötzlich, wie vielfältig, unterschiedlich, farbenfroh und zahlreich solche vom Menschen mit Sprühdosen, Pinseln oder Stiften gesprühte, gemalten oder eingeritzten grafischen Elemente sind. Lässt man sich auf sie ein merkt man, wie sie  – wenn auch in kleinerer Form – die gegebene Ästhetik eines Baumes oder eines Waldstückes verändern genauso wie große, farbige gesprühte Graffitis die Mauern, Brücken oder Züge.  Auch bei den großen Wandbildern ist der Übergang von Bedeutung (z.B. Buchstaben, Zahlen, realistische Gegenstände) zu abstrakten Darstellungen fließend. Die durch Graffitis veränderte Welt und entsprechend neue Ästhetik ist zahlreich  erforscht und in vielen Bildbänden dokumentiert. Oft sind solche Bilder zur Kunst erhoben worden oder mit großem materiellem Aufwand, z.B. auf Zugwaggons, wieder entfernt worden. Hierzu ist eine anhaltende, ambivalente Diskussion entstanden.

Die Wald und Weg-Graffiti ist zwar weniger spektakulär, weist aber ähnliche Merkmale auf, die bisher weder erforscht oder abgebildet sind.

Der Autor hat seit mehreren Jahren unzählige solcher Wald- und Weg Graffitis aufgespürt und fotografiert. Immer mit dem Ziel, nicht die Bedeutung zu entschlüsseln, sondern zu zeigen, wie sich hierdurch ein neuer Blick auf den Gegenstand oder bzw. und die umgebende Natur möglich wird. Dies gilt für einen Schriftzug ebenso wie für ein Pfeil oder eine bunte Zahl.

                      

 

Graffit  leitet sich etymologisch aus dem Griechischen von γράφειν (graphein) ab. Dies bedeutet schreiben und zeichnen.

Auch die Zeichnungen in der Forstwirtschaft zur Markierung des Baumbestandes oder Markierungen im Straßenbau werden als Baumgraffiti oder technische Graffiti bezeichnet.

Im Rahmen der ersten Aktion Spechtbaum markierten hunderttausende Natur- und Vogelschützer von Pro Natura und dem Schweizer Vogelschutz, Bäume mit Spechthöhlen. Dazu wurde ein Logo als Pochoir mittels pinkfarbenem Spray auf Brusthöhe an den Stämmen angebracht.[26]

m Gegensatz zum freihändigen Graffito benötigt das Stencil die Anfertigung der Schablonen. Dies gilt ebenso für Weg- oder Baum Graffitis, bei denen z.B. Waldbauern ihr Logo mittels einer Schablone aufsprühen.