Wie wirklich ist die Wirklichkeit im kreativen Prozess?

Wenn Immanuel Kant schreibt, dass man nie zu dem Ding an sich vordringen bedeutet dies, dass man  nie die Realität sieht, sondern immer nur die eigene Realität jedes Einzelnen. Und kann aus unendlichen, persönlichen Realitäten bestehen.

Jedes Ding ist nicht nur ein Ding, sondern das, was meine Wahrnehmung daraus macht,  also mein Ding.

Dabei ist das Personalpronomen “mein” wichtig, denn die Wahrnehmung ist immer nur Wahrnehmung in der ersten Person. Ich kann zwar Vereinbarungen treffen (z.B. Verkehrsschilder) oder Deckungsgleichheiten suchen (z.B. wenn man versucht, Welt aus den Augen eines Anderen zu betrachten). Aber es ist und bleibt letztendlich immer die Wahrnehmung eines ICHs.

Und hier beginnt die Kunst der Kunst, die Kunst des Schaffenden, die Kunst des Kreativen, letztendlich die Kunst, der Welt eine neue, eigene Form oder aber Inhalt  zu geben. Oder beides.

Das heißt, im schöpferischen Akt verändert der Kreative vorhandene Welt (z.B. aus der Milka-Kuh wird eine Molke-Kuh), oder aber er schafft eine neue Welt (z.B. durch ein abstraktes Bild  oder Ding).

Dies ist oft ein leichter Schöpfungsakt (“Es malt mich”) – oder aber ein langer, oft dramatischer, schmerzvoller Prozess im Atelier oder am Schreibtisch, bei dem man manchmal nicht weiß, wie und wann man mit dem anfangen soll, was einen innerlich bewegt, wie man immer wieder verändert und wann man letztendlich aufhören muss.

Es  ist der Prozess, aus der Wirklichkeit der Wirklichkeit  meiner eigenen Wirklichkeit zu gestalten. 

 

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