RHEINISCHE POST vom 2.9.2026



750 Jahre Ratingen



Vier Bauwerke werden


zu abstrakter Heimatkunst





Ratingen · Eine Galeristin und ein Künstler machen den 750. Stadtgeburtstag zum gemeinsamen Kunstprojekt. Vier Motive werden als limitierte Drucke vorgestellt.

Der 750. Stadtgeburtstag beschäftigte schon lange vor Jahresbeginn viele Ratinger. Meike Müller, Inhaberin des Kunsthauses Ratingen an der Grütstraße, macht da keine Ausnahme. Und langsam, aber sicher formte sich eine Idee, wie ihre Galerie einen Beitrag zum Jubiläumsjahr leisten könnte. Einen Partner dafür fand sie in dem Ratinger Künstler Michael Troesser. Das Ergebnis wird am Samstag, 5. September, präsentiert.

„Ich war von Troessers Stil schon länger fasziniert“, gibt die Galeristin zu, die regelmäßig über lokale Ausstellungen schlendert. Also suchte Müller den Kontakt. Troesser war sofort Feuer und Flamme für die Idee, und so setzten sich beide zusammen und suchten Motive aus, diskutierten über Details in der Ausführung und brachten das Projekt schließlich auf den Weg.

INFOPräsentation der Ratingen-Drucke

Das Kunsthaus Ratingen präsentiert die vier Ratingen-Drucke am Samstag, 5. September, in der Zeit von 12 bis 14 Uhr an der Grütstraße 3-7. Der Künstler Michael Troesser wird anwesend sein und alle Drucke auf Wunsch signieren und mit einer Widmung versehen.

Vier Ratinger Motive

Insgesamt vier Ratinger Motive haben die beiden ausgewählt: das Bürgerhaus mit angrenzender Kirche St. Peter und Paul, das Herrenhaus in Cromford, die Wasserburg Haus zum Haus und die Suitbertusstuben in der Oberstraße. „Alles Gebäude, mit denen sich Ratinger identifizieren können“, so Müller und Troesser. „Eine Kombination aus sichtbaren Gebäuden und Historie“, ergänzt Troesser. Die Motive stehen aber auch für die enge Bindung der beiden Ratinger zu ihrer Heimatstadt.

Dennoch sollten die vier markanten Punkte der Stadt nicht fotorealistisch abgebildet werden. „Kubistisch abstrahiert“, beschreibt Müller den Stil. Als „abstrakte Brechung“ bezeichnet Troesser selbst das Stilmittel seiner Wahl. Dabei werden Formen, Linien, Farben oder Licht als kompositorisches Stilmittel wie durch ein optisches Medium gebrochen oder verschoben.

Aufwendige Airbrush-Technik

Troesser zeichnete also mehrere Entwürfe und machte sich dann an die Ausfertigung. „Eine Arbeit von rund einem Jahr“, sagt er. Der Ratinger arbeitet unter anderem mit einer Airbrush-Technik. „Das ist sehr aufwendig“, bekennt er. Für ein einziges Detail muss der komplette Bildhintergrund abgeklebt werden.

Troesser wurde das Gespür für Baustile und Gestaltung quasi in die Wiege gelegt. Der Vater war Architekt, und so „entwickelte sich früh eine Beziehung zum Malen, Zeichnen sowie zu Gebäuden“, erzählt der Ratinger. So schien es nur folgerichtig, an der Folkwang-Schule in Essen Kunst und Design zu studieren. Schnell entdeckte Troesser aber eine zweite Leidenschaft: das Wort. Beruflich konnte er viele Jahre lang beides kombinieren. Troesser arbeitete als Medienreferent der Stadt Düsseldorf und leitete später das Zentrum für Medien und Bildung in der Nachbarstadt. Dort produzierte er auch Filme, zum Beispiel über die ehemalige Lastwagenfabrik DAAG in Ratingen oder die AWD-Motorradproduktion in Breitscheid.

Bilder in limitierter Auflage

Ratinger kennen Michael Troesser vielleicht auch als Mitgründer und -organistor des Kunsthandwerkermarktes „allerHand“ im Industriemuseum Cromford, der wegen der Coronapandemie eingestellt wurde.

Neben seiner beruflichen Tätigkeit gab Troesser die Kunst nie auf. Er malte und verfasst Lyrik, Kurzprosa und Gedichte. Und jetzt eben vier Motive seiner Heimatstadt in einem ganz eigenen Stil.

Vorgestellt werden die Bilder am Samstag, 5. September, von 12 bis 14 Uhr im Kunsthaus Ratingen an der Grütstraße. Dort sind nicht nur die Originalwerke zu bewundern – Ratinger können ein Stück Heimat auch als exklusiven Kunstdruck erwerben. Jedes der vier Motive wurde in einer Auflage von 50 Exemplaren auf hochwertigem Papier gedruckt und kann zum Preis von 49 Euro (gerahmt 99 Euro) erstanden werden. Troesser wird die Bilder auf Wunsch an diesem Tag auch signieren oder mit einer Widmung versehen. Wer sich mit dem Druck nicht begnügen will, kann auch die Originale erwerben.

Spannung vor der Präsentation

Ein bisschen Herzklopfen hat der Ratinger schon: „Ich bin sehr gespannt, wie meine Arbeiten ankommen.“ Eine wohltuende Erfahrung sei die Umsetzung aber auf jeden Fall gewesen: „Ein kreativer Prozess ist doch oft sehr einsam“, bekennt er. Den regen Austausch mit Meike Müller habe er als wunderbare Abwechslung und als sehr bereichernd empfunden.

(abin kle )