{"id":257,"date":"2017-02-14T17:45:12","date_gmt":"2017-02-14T17:45:12","guid":{"rendered":"http:\/\/web349.c5.webspace-verkauf.de\/?p=257"},"modified":"2021-03-07T18:06:47","modified_gmt":"2021-03-07T18:06:47","slug":"nur-nicht-aus-der-ruhe-bringen-lassen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.troesser-art.de\/?p=257","title":{"rendered":"Nur nicht aus der Ruhe bringen lassen. Die Kuh"},"content":{"rendered":"\t\t<div data-elementor-type=\"wp-post\" data-elementor-id=\"257\" class=\"elementor elementor-257\">\n\t\t\t\t\t\t<div class=\"elementor-inner\">\n\t\t\t\t<div class=\"elementor-section-wrap\">\n\t\t\t\t\t\t\t\t\t<section class=\"elementor-section elementor-top-section elementor-element elementor-element-b05b362 elementor-section-boxed elementor-section-height-default elementor-section-height-default\" data-id=\"b05b362\" data-element_type=\"section\">\n\t\t\t\t\t\t<div class=\"elementor-container elementor-column-gap-default\">\n\t\t\t\t\t\t\t<div class=\"elementor-row\">\n\t\t\t\t\t<div class=\"elementor-column elementor-col-100 elementor-top-column elementor-element elementor-element-ec8b54f\" data-id=\"ec8b54f\" data-element_type=\"column\">\n\t\t\t<div class=\"elementor-column-wrap elementor-element-populated\">\n\t\t\t\t\t\t\t<div class=\"elementor-widget-wrap\">\n\t\t\t\t\t\t<div class=\"elementor-element elementor-element-d3ed867 elementor-widget elementor-widget-image\" data-id=\"d3ed867\" data-element_type=\"widget\" data-widget_type=\"image.default\">\n\t\t\t\t<div class=\"elementor-widget-container\">\n\t\t\t\t\t\t\t\t<div class=\"elementor-image\">\n\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t<img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"700\" height=\"499\" src=\"https:\/\/www.troesser-art.de\/wp-content\/uploads\/2020\/05\/100tyqcs_1_P1170285.jpeg?v=1589729491\" class=\"attachment-large size-large\" alt=\"\" srcset=\"https:\/\/www.troesser-art.de\/wp-content\/uploads\/2020\/05\/100tyqcs_1_P1170285.jpeg?v=1589729491 800w, https:\/\/www.troesser-art.de\/wp-content\/uploads\/2020\/05\/100tyqcs_1_P1170285-300x214.jpeg?v=1589729491 300w, https:\/\/www.troesser-art.de\/wp-content\/uploads\/2020\/05\/100tyqcs_1_P1170285-768x547.jpeg?v=1589729491 768w, https:\/\/www.troesser-art.de\/wp-content\/uploads\/2020\/05\/100tyqcs_1_P1170285-230x164.jpeg?v=1589729491 230w, https:\/\/www.troesser-art.de\/wp-content\/uploads\/2020\/05\/100tyqcs_1_P1170285-350x249.jpeg?v=1589729491 350w, https:\/\/www.troesser-art.de\/wp-content\/uploads\/2020\/05\/100tyqcs_1_P1170285-480x342.jpeg?v=1589729491 480w\" sizes=\"auto, (max-width: 700px) 100vw, 700px\" \/>\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t<\/div>\n\t\t\t\t\t\t<\/div>\n\t\t\t\t<\/div>\n\t\t\t\t<div class=\"elementor-element elementor-element-8375d7b elementor-widget elementor-widget-text-editor\" data-id=\"8375d7b\" data-element_type=\"widget\" data-widget_type=\"text-editor.default\">\n\t\t\t\t<div class=\"elementor-widget-container\">\n\t\t\t\t\t\t\t\t<div class=\"elementor-text-editor elementor-clearfix\">\n\t\t\t\t<div class=\"entry-thumb\">\u00a0<\/div><div class=\"entry-content\"><div class=\"entry-content\"><h3>In meiner Kindheit und sogar noch Jugend fuhr ich mit meiner Familie (immerhin vier Geschwister) Jahr um Jahr (manchmal auch zweimal pro Jahr) ins tiefe Oberbayern oder sollte man eher sagen, das h\u00f6chste Oberbayern. Denn da endete die Stra\u00dfe und wurde pl\u00f6tzlich zum Weg, rauf auf die Almen, rauf zum Gipfelkreuz. Gef\u00fchlt also das Ende der Welt. W\u00e4hrend sich der gr\u00f6\u00dfte Teil der Familie f\u00fcr die heilige Maria des Wallfahrtortes oder den n\u00e4chsten, stolzen Aufstieg zum Gipfelkreuz interessierten, schloss ich eine heimliche Freundschaft mit der Kuh. Oder den K\u00fchen.<\/h3><h3>Riesig standen sie auf den Auen hinter den Z\u00e4unen oder den absch\u00fcssigen Wiesen neben der Alm. Wenn man sich ihnen n\u00e4herte, schauten sie einen mit ihren treuen, gro\u00dfen Augen an und mit ihrem oft gekr\u00e4uselten Haarschopf sahen sie aus wie eine Insel des Friedens und der Gelassenheit.<\/h3><h3>Sie waren nicht so unberechenbar wie Katzen, wie die oft aggressiven Hunde oder der b\u00f6se Fuchs. Sie waren eben die Kuh, die nur manchmal ihren Kopf hob und ein so kr\u00e4ftiges, lang anhaltendes\u00a0<em>\u201eMuuuuhhhh\u201c<\/em>\u00a0von sich gab. Manchmal dachte ich, diese weit h\u00f6rbaren\u00a0 Stimmf\u00fchlungslaute\u00a0 w\u00e4ren nur mir, dem Freund gewidmet.<\/h3><h3>Dann die m\u00e4chtigen Glocken an den breiten Lederb\u00e4ndern um den Hals. Ein wundersch\u00f6nes Glockenspiel, wenn sie die steilen Bergwege hinuntergetrieben wurden. Treiben ist eher \u00fcbertrieben. Gem\u00e4chlich, fast widerwillig lie\u00dfen sie sich auf den Heimweg ein unter dem Motto:\u00a0<em>Nur nicht aus der Ruhe bringen lassen<\/em>. Wenn sie dann wieder auf der Weide lagen, diese braunwei\u00dfen oder schwarzwei\u00dfen Mammutgestalten,\u00a0 strahlten sie einen Frieden aus, neben die man sich gerne gelegt h\u00e4tte, \u00a0aber daf\u00fcr war der Respekt \u00a0\u2013 und wahrscheinlich auch die Angst \u2013\u00a0 nat\u00fcrlich zu gro\u00df.<\/h3><h3>Und dann das Wiederk\u00e4uen! Auch wenn sie kein Gras gefressen hatten, kauten und kauten und kauten sie langsam und bed\u00e4chtig vor sich hin. Als Kind h\u00e4tte ich mir auch gew\u00fcnscht, wiederkauen zu k\u00f6nnen. Dann h\u00e4tte ich nicht immer wieder essen m\u00fcssen, weil man sich bei Hunger immer das letzte Gericht h\u00e4tte zur\u00fcckholen k\u00f6nnte. Immer und immer wieder.<\/h3><h3>\u00a0Ja das Wiederk\u00e4uen. Davon spricht auch Nietzsche in \u201e<em>Also sprach Zarathustra<\/em>\u201c:<\/h3><h3><em>\u00a0\u201eDenn als Zarathustra den h\u00e4sslichsten Menschen verlassen hatte, fror ihn\u201c.<\/em>\u00a0Aber pl\u00f6tzlich erquickte ihn etwas\u00a0<em>\u201eWarmes und Lebendiges<\/em>\u201c in seiner N\u00e4he<em>: \u201eSchon bin ich weniger allein; Unbewusste Gef\u00e4hrten und Br\u00fcder schweifen um mich, ihr warmer Athem r\u00fchrt an meine Seele. Siehe, da waren es K\u00fche, welche auf einer Anh\u00f6he beieinander standen\u201c<\/em><\/h3><h3>Deren N\u00e4he und Geruch hatten sein Herz erw\u00e4rmt<em>: \u201cDazu aber m\u00f6chte ich von diesen K\u00fchen lernen. So wir nicht umkehren und werden wie die K\u00fche, so kommen wir nicht in das Himmelreich. Wir sollten ihnen n\u00e4mlich Eins ablernen: das Wiederk\u00e4uen. Und wahrlich, wenn der Mensch auch die ganze Welt gew\u00f6nne und lernte das Eine nicht, das Wiederk\u00e4uen: was h\u00fclfe es! Er w\u00fcrde nicht seine Tr\u00fcbsal los.\u201c<\/em><\/h3><h3>Sicher meinte Nietzsche nicht das reale Wiederk\u00e4uen auf der Weide, sondern eher das geistige, seelische\u00a0<em>\u201eimmer wieder\u201c<\/em>.\u00a0 Eigenartigerweise hei\u00dft der Wiederk\u00e4uer im Lateinischen\u00a0<em>\u201eRuminatia\u201c<\/em>, das Verb hierzu nicht nur wiederk\u00e4uen, sondern<em>\u00a0\u201eintensiv \u00fcber eine Sache nachdenken\u201c<\/em>.<\/h3><h3>Der Literaturwissenschaftler Florian Werner, der zahlreiche Fachb\u00fccher herausgegeben hat, schreibt hierzu: \u201c<em>Ein Vorgang, bei dem ein Ged\u00e4chtnisinhalt aus dem Magen der Erinnerung ins Bewusstsein bef\u00f6rdert und dort neuerlich durchgearbeitet wird\u201c.<\/em><\/h3><h3>Bis zu neun Stunden am Tag mit ca. 30 000 Kaubewegungen verbringen K\u00fche mit diesem Wiederk\u00e4uen und strahlen vielleicht deshalb eine solche W\u00e4rme und Zufriedenheit aus<em>: \u201cWenn wir so l\u00e4ssig werden wollen wie die K\u00fche, sollten wir mit g\u00e4renden Erinnerungen und offenen Fragen also so umgehen, wie sie es mit ihrem Futter tun. Wenn uns etwas im Magen liegt, sollten wir es in Ruhe lassen und erst zu gegebener Zeit aus der \u201esanften und fernen Erinnerung \u201e(Schiller) wieder hervorholen.\u201c<\/em>\u00a0r\u00e4t Werner, der sich keine neuen Erfahrungen holen m\u00f6chte, solange die alten noch nicht verdaut sind, also eine Art gedanklicher Pansen als Vorratsspeicher der Erinnerung.\u201c<em>Die K\u00fche haben die Wiederkehr des Immergreichen als Grundbedingung des Daseins akzeptiert.\u201c<\/em><\/h3><h3>Daran ist sicher etwas Wahres \u2013 zumal in einer Gesellschaft und Welt der Beschleunigung. Sicher\u00a0 auch gut f\u00fcr so manchen Entschleunigungsratgeber. Nicht zuletzt gibt es deswegen auch heute schon tiefe\u00a0<em>Muuhhs\u00a0<\/em>der K\u00fche als Labsal f\u00fcr gestresste Zeitgenossen im Internet zum downladen. \u00a0<\/h3><h3><a href=\"http:\/\/www.hoerspielbox.de\/nahes-kraeftiges-muh\/\" data-slimstat=\"5\">http:\/\/www.hoerspielbox.de\/nahes-kraeftiges-muh\/<\/a><\/h3><h3><a href=\"https:\/\/www.gemafreie-welten.de\/s_Kuh.html\" data-slimstat=\"5\">https:\/\/www.gemafreie-welten.de\/s_Kuh.html<\/a><\/h3><h3>An der\u00a0<em>\u201eWiederkehr des Immergleichen als Grundbedingung des Daseins\u201c<\/em>\u00a0 zweifle ich allerdings m\u00e4chtig.<\/h3><h3>Ein wenig Wiederkehr ist sicher sinnvoll, aber was w\u00e4re die Welt, wenn es nicht neben der Almwiese auch neue Ufer geben w\u00fcrde, was w\u00e4re die Wissenschaft, was die Wirtschaft ohne Innovation, was die Kunst ohne die Fantasie als Ausbruch aus dem Wiederk\u00e4uen. W\u00fcrde es sonst die lila Kuh geben, bei der sich die Molke in Milka wandelt? Daher will ich\u00a0 nicht\u00a0\u00a0<em>\u201ewerden wie die K\u00fche\u201c,<\/em>\u00a0sondern vielmehr wie die lila Kuh, die erst durch Kreativi\u00e4t von der Weide geholt werden konnte. Und alle Farben annehmen kann. Am sinnvollsten w\u00e4re die sch\u00f6ne, friedliche Kuh mit einem gelassenen und einem quirligen Pansen. Aber so weit konnte ich nat\u00fcrlich noch nicht denken, als ich damals meine Kuh-Freundschaft schloss.<\/h3><pre>\u00a0 C Bild (Milka\/Molke 2011\/30x40cm) und Text Michael Troesser \n\nFlorian Werner zitiert aus : \u201ePhilosophie Magazin\u201c August 2015 \u00a0 \u00a0 \u00a0<\/pre><\/div><\/div>\t\t\t\t\t<\/div>\n\t\t\t\t\t\t<\/div>\n\t\t\t\t<\/div>\n\t\t\t\t\t\t<\/div>\n\t\t\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/div>\n\t\t\t\t\t\t\t\t<\/div>\n\t\t\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/section>\n\t\t\t\t\t\t\t\t\t<\/div>\n\t\t\t<\/div>\n\t\t\t\t\t<\/div>\n\t\t","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u00a0 In meiner Kindheit und sogar noch Jugend fuhr ich mit meiner Familie (immerhin vier Geschwister) Jahr um Jahr (manchmal auch zweimal pro Jahr) ins tiefe Oberbayern oder sollte man eher sagen, das h\u00f6chste Oberbayern. 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