{"id":246,"date":"2017-10-14T17:41:53","date_gmt":"2017-10-14T17:41:53","guid":{"rendered":"http:\/\/web349.c5.webspace-verkauf.de\/?p=246"},"modified":"2021-03-07T17:31:49","modified_gmt":"2021-03-07T17:31:49","slug":"4321-vom-zauber-des-zufalls","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.troesser-art.de\/?p=246","title":{"rendered":"&#8220;4321&#8221; Vom Zauber des Zufalls"},"content":{"rendered":"\t\t<div data-elementor-type=\"wp-post\" data-elementor-id=\"246\" class=\"elementor elementor-246\">\n\t\t\t\t\t\t<div class=\"elementor-inner\">\n\t\t\t\t<div class=\"elementor-section-wrap\">\n\t\t\t\t\t\t\t\t\t<section class=\"elementor-section elementor-top-section elementor-element elementor-element-45ef30e elementor-section-boxed elementor-section-height-default elementor-section-height-default\" data-id=\"45ef30e\" data-element_type=\"section\">\n\t\t\t\t\t\t<div class=\"elementor-container elementor-column-gap-default\">\n\t\t\t\t\t\t\t<div class=\"elementor-row\">\n\t\t\t\t\t<div class=\"elementor-column elementor-col-100 elementor-top-column elementor-element elementor-element-66028a1\" data-id=\"66028a1\" data-element_type=\"column\">\n\t\t\t<div class=\"elementor-column-wrap elementor-element-populated\">\n\t\t\t\t\t\t\t<div class=\"elementor-widget-wrap\">\n\t\t\t\t\t\t<div class=\"elementor-element elementor-element-0518829 elementor-widget elementor-widget-image\" data-id=\"0518829\" data-element_type=\"widget\" data-widget_type=\"image.default\">\n\t\t\t\t<div class=\"elementor-widget-container\">\n\t\t\t\t\t\t\t\t<div class=\"elementor-image\">\n\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t<img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"300\" height=\"169\" src=\"https:\/\/www.troesser-art.de\/wp-content\/uploads\/2020\/06\/20170811_113421-900x506-300x169-1-e1593188325978.jpg?v=1593172212\" class=\"attachment-large size-large\" alt=\"\" \/>\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t<\/div>\n\t\t\t\t\t\t<\/div>\n\t\t\t\t<\/div>\n\t\t\t\t<div class=\"elementor-element elementor-element-0069964 elementor-widget elementor-widget-text-editor\" data-id=\"0069964\" data-element_type=\"widget\" data-widget_type=\"text-editor.default\">\n\t\t\t\t<div class=\"elementor-widget-container\">\n\t\t\t\t\t\t\t\t<div class=\"elementor-text-editor elementor-clearfix\">\n\t\t\t\t<header class=\"entry-header\">Wir alle leben vom Zufall. \u201eWas w\u00e4re, wenn\u2026\u201c sind Gedanken eines jeden Menschen, denn nur die Zuf\u00e4lle auf der langen Lebensschnur von der Geburt bis zum Tod machen Leben individuell und einzigartig. Es sind die unwegsamen, nicht vorhersehbaren M\u00f6glichkeiten des Seins. Gerade dieses Imponderabilie\u00a0 kann\u00a0 Angst machen, aber sie sind eine der Grundlagen des Daseins, diese Weichen der M\u00f6glichkeiten, \u00a0denn was w\u00e4re das Leben, w\u00e4re alles <i>schon <\/i>vorhersehbar, was ohne die immer neuen Zuf\u00e4lle?<\/header><div class=\"entry-content\"><h3>Der Zufall ist ein durchg\u00e4ngiges Lebensthema des amerikanischen Autors\u00a0Paul Auster,\u00a0so z.B. in seinem 2012 erschienenen Roman :\u00a0<em>Die Musik des Zufalls<\/em>. Diesem Thema widmet sich der Autor auch in seinem 2017 erschienenen (Meister)Werk\u00a0\u201e4321\u2033,\u00a0das man getrost als Lebenswerk und ganz gro\u00dfe Literatur bezeichnen darf und das er selbst als\u00a0<em>\u201eBuch meines Lebens\u201c<\/em>\u00a0nennt. Sieben Jahre lang hat er an diesem Roman gearbeitet, bei dem immer wieder auch autobiographische Momente durchscheinen und den er sich zum 70. Geburtstag und uns, dem geneigten Leser und der Leserin, geschenkt hat.<\/h3><h3>Es sind auf den fast 1300 Seiten eigentlich 4 B\u00fccher erschienen, denn es werden parallel vier verschiedene Leben eines einzigen Protagonisten erz\u00e4hlt, die alle durch unterschiedlichste Zuf\u00e4lle anders verlaufen und entsprechend zwar alle von einem Punkt aus starten, aber viermal anders enden.\u00a0 Vier Lebensverl\u00e4ufe so lebensnah und detailliert in sieben Kapiteln nebenander erz\u00e4hlt, dass der Leser selbst bei mittlerer Intelligenz und hoher Konzentration es mitunter schwer hat, die vier verschiedenen Lebenswege auseinanderzuhalten und manchmal fragt man sich tats\u00e4chlich: In welchem der vier Leben befindet man sich im Moment, in dem eben dies und sp\u00e4ter jenes passiert.<\/h3><h3>Das Buch f\u00e4ngt schon mit einer kleinen, wunderbaren Geschichte um den Namen des Protagonisten Archie Fergeson an. Denn der Familienlegende zufolge verlie\u00df sein Gro\u00dfvater, ein Jude mit dem schrecklichen Namen Isaac Reznikoff, zu Fu\u00df seine Heimatstadt Minsk und kommt schlie\u00dflich mit dem Schiff\u00a0<em>Kaiserin von China<\/em>\u00a0genau am ersten Tag des zwanzigsten Jahrhunderts in New York an. Ihm wird\u00a0 geraten, sich doch\u00a0<em>Rockefeller<\/em>\u00a0zu nennen, denn der Name Renzikoff werde ihm in Amerika nichts n\u00fctzen:\u00a0<em>\u201eEine Stunde verging, und als der neunzehnj\u00e4hrige Rezikoff endlich bei dem Einwanderungsbeamten an die Reihe kam, hatte er den Namen, zu dem der Mann ihm geraten hatte, l\u00e4ngst wieder vergessen. Ihr Name ? fragte der Beamte. Der m\u00fcde Einwanderer schlug sich verzweifelt an die Stirn und platzte auf Jiddisch heraus: Ich hob fargessen! Und so begann Isaac Renzikoff sein neues Leben in Amerika als Ichabod Fergeson.\u201c<\/em><\/h3><h3>So begleiten wir seinen Enkel Archie Fergeson nun durch seine vier m\u00f6glichen Leben, die durch die F\u00fclle der Zuf\u00e4lle sich alle anders entwickeln, wobei nat\u00fcrlich die Herkunft, die Familie, die Kindheit usw. erhalten bleiben. In\u00a0<em>einer<\/em>\u00a0Geschichte ist Archie ein Poet, der uns\u00e4glich verliebt ist in seine Cousine Army und der dem Charme von Paris erliegt (wie Paul Auster selbst ja auch). Ein anderer Archie stirbt schon fr\u00fch (da h\u00f6rt nat\u00fcrlich Buch 2 schon auf), ein weiterer ist homophil, in der n\u00e4chsten Geschichte ist Archie sehr\u00a0<em>hungrig auf Frauen<\/em>, mal ist er arm, mal reich, mal gesund, mal hat er durch einen Unfall zwei Finger verloren \u00a0usw.<\/h3><h3>Alle vier leben und erleben sich im Nachkriegsamerika der 50er und 60er Jahre, diesem turbulenten Land zwischen kommerziellem Aufbruch und politischem Auffuhr der 68er. Die vielen kleinen und gro\u00dfen Geschichten werden erfrischend locker, z.T. mit hohem Grad an Witz und Tiefe gleicherma\u00dfen erz\u00e4hlt, sodass der Leser und die Leserin sich gut mitrei\u00dfen lassen k\u00f6nnen von den vielen Zuf\u00e4llen, die die vier Leben des einen Protagonisten ausmachen.<\/h3><h3>Allerdings bettet Auster seinen Archie derartig intensiv auch in die Zeitgeschichte dieses Amerika der Kubakrise, die Ermordung des JF Kennedy und Martin Luther King, des Vietnamkriegs, Andy Warhol usw. ein, dass man manchmal denkt, man sei in einem geschichtlichen Bildungsroman und an den Stellen ist sicher mancher Leser verf\u00fchrt, solche seitenlangen Geschichtsgeschichten einfach zu \u00fcberspringen, gespannt auf die weiteren daraus entstehenden Zuf\u00e4lle (die man nat\u00fcrlich nur nachvollziehen kann, wenn man sich auf die ganze Geschichte einl\u00e4sst).<\/h3><h3>Am Ende wird einer der vier Fergesons selbst zum Autor seines eigenen Buches. Protagonist Fergeson und Paul Auster sind nun eins und beschreiben, wie sie das vorliegende Buch geschrieben haben:\u00a0\u00a0<em>\u201eSo endet das Buch \u2013 mit Ferguson, der weggeht, um das Buch zu schreiben\u201c,<\/em>\u00a0dem sein Roman \u00fcber die vier Fergesons viel l\u00e4nger anwuchs, als er gedacht h\u00e4tte:\u00a0<em>\u201eAls er am 25. August 1975 das letzte Wort schrieb, hatte das Manusript einen Umfang von eintausenddreihundertdreiunddrei\u00dfig getippten Seiten mit doppeltem Zeilenabstand.\u201c<\/em><\/h3><h3>Und auf den letzten Seiten schlie\u00dflich schaut man noch tiefer in die Gef\u00fchlzust\u00e4nde des Autors, wenn er schreibt:\u00a0<em>\u201eDie Passagen, die zu schreiben ihm am schwersten fielen, waren diejenigen, die vom Tod seiner geliebten Jungen erz\u00e4hlten.\u201c<\/em>\u00a0Hier meint man, neben ihm am Schreibtisch zu sitzen und die Qualen und die Freude des Romanschreibens f\u00f6rmlich mitzuerleben, wenn er vom Schreibtisch aufsteht, sich aus der Hemdtasche eine Zigarette zieht, um sich vor dem Schreiben der letzten Abs\u00e4tze des Buches noch eine Pause zu g\u00f6nnen\u2026.<\/h3><h3>Von der Idee, vom Aufbau, von der Sprache, den Geschichten und der Genauigkeit des geschichtlichen Hintergrunds in den 50er und 60er Jahren ein faszinierendes Buch. Der Kurat w\u00fcnscht Paul Auster zu seinem 70. Geburtstag und gleichsam auch f\u00fcr das Geschenk dieses Buches an uns den herzlichsten Gl\u00fcckwunsch und Dank!<\/h3><h3><em>Anmerkung : Das Buch hat Paul Auster seiner Ehefrau, Siri Hustvedt gewidmet, eine der Lieblingsschriftstellerinnen des Bloggers. Sicher wird er in anderen Beitr\u00e4gen noch ihre B\u00fccher wie \u201eWas wir liebten\u201c oder \u201eDie zitternde Frau\u201c, vor allem aber auch &#8220;Leben,Denken,Schauen&#8221; beschreiben&#8221;.<\/em><\/h3><h3>Paul Auster \/ 4321 \/ Roman\/ 2017 \/ 29,00 \u20ac \/ Rowohlt Verlag Reinbek bei Hamburg \/ ISBN 978 498 00097 4<\/h3><\/div>\t\t\t\t\t<\/div>\n\t\t\t\t\t\t<\/div>\n\t\t\t\t<\/div>\n\t\t\t\t\t\t<\/div>\n\t\t\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/div>\n\t\t\t\t\t\t\t\t<\/div>\n\t\t\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/section>\n\t\t\t\t\t\t\t\t\t<\/div>\n\t\t\t<\/div>\n\t\t\t\t\t<\/div>\n\t\t","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wir alle leben vom Zufall. \u201eWas w\u00e4re, wenn\u2026\u201c sind Gedanken eines jeden Menschen, denn nur die Zuf\u00e4lle auf der langen Lebensschnur von der Geburt bis zum Tod machen Leben individuell und einzigartig. Es sind die unwegsamen, nicht vorhersehbaren M\u00f6glichkeiten des Seins. 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