{"id":223,"date":"2018-03-14T17:03:02","date_gmt":"2018-03-14T17:03:02","guid":{"rendered":"http:\/\/web349.c5.webspace-verkauf.de\/?p=223"},"modified":"2021-01-31T12:29:15","modified_gmt":"2021-01-31T12:29:15","slug":"unser-bildliches-brot-gib-uns-heute-macht-fernsehen-satt","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.troesser-art.de\/?p=223","title":{"rendered":"Unser bildliches Brot gib uns heute \u2013 macht Fernsehen satt?"},"content":{"rendered":"\t\t<div data-elementor-type=\"wp-post\" data-elementor-id=\"223\" class=\"elementor elementor-223\">\n\t\t\t\t\t\t<div class=\"elementor-inner\">\n\t\t\t\t<div class=\"elementor-section-wrap\">\n\t\t\t\t\t\t\t\t\t<section class=\"elementor-section elementor-top-section elementor-element elementor-element-c1bdfbd elementor-section-boxed elementor-section-height-default elementor-section-height-default\" data-id=\"c1bdfbd\" data-element_type=\"section\">\n\t\t\t\t\t\t<div class=\"elementor-container elementor-column-gap-default\">\n\t\t\t\t\t\t\t<div class=\"elementor-row\">\n\t\t\t\t\t<div class=\"elementor-column elementor-col-100 elementor-top-column elementor-element elementor-element-dfdcd8e\" data-id=\"dfdcd8e\" data-element_type=\"column\">\n\t\t\t<div class=\"elementor-column-wrap elementor-element-populated\">\n\t\t\t\t\t\t\t<div class=\"elementor-widget-wrap\">\n\t\t\t\t\t\t<div class=\"elementor-element elementor-element-c0bec3b elementor-widget elementor-widget-text-editor\" data-id=\"c0bec3b\" data-element_type=\"widget\" data-widget_type=\"text-editor.default\">\n\t\t\t\t<div class=\"elementor-widget-container\">\n\t\t\t\t\t\t\t\t<div class=\"elementor-text-editor elementor-clearfix\">\n\t\t\t\t<div class=\"entry-thumb\">\u00a0<\/div><div class=\"entry-content\"><h3>Wie in der Kirche mit Brot und Wein stehen die medialen Priester der Lebensmittelsinnlichkeit Tag f\u00fcr Tag hinter ihren Herd-Alt\u00e4ren, nehmen die Zutaten, besprechen sie, bereiten und kosten sie, um schlie\u00dflich die treue Schirm-Gemeinde teilhaben zu lassen am Verzehr \u2013 die weihevolle Wandlung einer allt\u00e4glichen Selbstverst\u00e4ndlichkeit \u2013 bis den sehns\u00fcchtig TV-Schauenden allein vom Sehen der K\u00f6stlichkeiten der Speichel im Mund zusammenl\u00e4uft,\u00a0 obwohl sie sich nicht den Weg vom Bildschirm auf die Zunge machen k\u00f6nnen.<\/h3><h3>Wenn mit hochemotionalen \u201e\u00c4hs\u201c und \u201eOhs\u201c die \u00c4sthetik einer Forelle ebenso bewundert wird wie der liebevoll dekorierte Essaltar mit frischem Blumengesteck und ornamental verzierten Platzkarten, wird aus dem perfekten Dinner ein perfektes Kunstwerk. Das Auge isst nicht nur mit, sondern nur das Auge isst. Kochen hat sich aus der Schale der normalen Zubereitung zu einem besonderen Akt der Perfektion, hat sich Kochen zum Kult entwickelt.<\/h3><h3>Denn solche Messen medialer Gaumenfreuden sind voll im Trend ob als Inszenierung, Show oder Wettbewerb\u00a0 z.B. mit Tim M\u00e4lzer, Christian Rach, Horst Lichter, Johann Lafer, oder dem sympathischen \u00e4lteren Ehepaar Martina und Moritz im WDR Vorabendprogramm. Aber auch f\u00fcr viele die liebgewonnenen Privatkocher und argw\u00f6hnischen Fremdesser beim \u201ePerfekten Dinner\u201c.<\/h3><h3>Allein an\u00a0<em>einem Sonntag<\/em>\u00a0im Februar haben 11 Fernseh-Kochsendungen ein Millionenpublikum \u00fcber die Plattform telegener Ausstahlung auf die Wohnzimmersofas gelockt, wo sie als TV-Gl\u00e4ubige and\u00e4chtig vom Nachkochen und Nachessen tr\u00e4umen konnten.<\/h3><h3>Doch die S\u00e4ttigung blieb aus, das Fernsehen konnte den Hunger nicht stillen. Dies wird erst dann klar, wenn man nach einer Woche, in der man drei weitere Kochsendungen angesehen hat, merkt, dass man zwar teilgenommen hat an der Zeremonie der Zubereitung, doch meist nicht einmal eine einfache, vorgebetete Wandlung von Gem\u00fcse zur Gourment-Gem\u00fcsesuppe vollzogen hat oder noch schlimmer: vollziehen konnte. So bleibt der Hunger nach dem magischen Mahl und das Besuchen der n\u00e4chsten Koch-Messe ist vorprogrammiert. Und wenn man dann doch einmal erfolgreich nachkocht, ist man alleine mit seinem kleinen Kreis und dem Trendgericht \u2013 ohne die Erhabenheit des Medialen, dem Hunger der Millionen lechzenden Augen am Schirm. Es fehlt die elektronisch vervielfachte B\u00fchne eines auf sich selbst gerichteten Publikums. Inzwischen hat sich so das Fernsehen als urspr\u00fcngliches Fenster zur Welt zu einem Spiegel des Selbst, dem Zuschauer, gewandelt.<\/h3><h3>Das gilt auch f\u00fcr Kochsendungen, die so alt sind wie das Fernsehen selbst. Bereits 1953 hat Clemens Wilmenrod in seiner 15Minuten Sendung zu Tisch gebeten und in der DDR\u00a0 wurden zwischen 1958 und 1983\u00a0 \u00fcber 650mal\u00a0<em>Der Fernsehkoch empfiehlt<\/em>\u00a0mit Kurt Drumme\u00a0 ausgestrahlt.<\/h3><h3>Vielleicht ist das nicht endenwollende Interesse am Tele-Kochen die Sehnsucht nach der t\u00e4glichen Mutterbrust, vielleicht ist die Teilhabe an der Tafel der Tausenden eine \u00dcberwindung der Einsamkeit am eigenen Essplatz in der K\u00fcche. Vielleicht geht es einem aber nur um so wichtige Fragen\u00a0<em>\u201eMuss man Eier anstechen\u201c<\/em>,<em>\u201eWie lange d\u00fcrfren Sp\u00e4tzle kochen\u201c<\/em>\u00a0oder ob man verdammt nochmal die Nachspeise auch ohne besonders Besteck anbieten kann, darf oder muss.<\/h3><h3>Wie auch immer. Solange gelebt wird, wird auch gegessen, solange gegessen wird, wird auch gekocht und solange gekocht wird, wird es auch Kochsendungen geben gem\u00e4\u00df der Aussage von Apostel Paulus in I Kor. 15,32:<\/h3><h3><strong>\u201e<em>Lasst und essen und trinken, denn morgen sind wir tot\u201c<\/em><\/strong><\/h3><h3>C Text und alle Bilder Troesser<\/h3><\/div>\t\t\t\t\t<\/div>\n\t\t\t\t\t\t<\/div>\n\t\t\t\t<\/div>\n\t\t\t\t\t\t<\/div>\n\t\t\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/div>\n\t\t\t\t\t\t\t\t<\/div>\n\t\t\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/section>\n\t\t\t\t\t\t\t\t\t<\/div>\n\t\t\t<\/div>\n\t\t\t\t\t<\/div>\n\t\t","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u00a0 Wie in der Kirche mit Brot und Wein stehen die medialen Priester der Lebensmittelsinnlichkeit Tag f\u00fcr Tag hinter ihren Herd-Alt\u00e4ren, nehmen die Zutaten, besprechen sie, bereiten und kosten sie, um schlie\u00dflich die treue Schirm-Gemeinde teilhaben zu lassen am Verzehr \u2013 die weihevolle Wandlung einer allt\u00e4glichen Selbstverst\u00e4ndlichkeit \u2013 bis den [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[7,9,12,10],"tags":[],"class_list":["post-223","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-alltageskultur","category-medien","category-menschen","category-nachgedacht"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.troesser-art.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/223","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.troesser-art.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.troesser-art.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.troesser-art.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.troesser-art.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=223"}],"version-history":[{"count":7,"href":"https:\/\/www.troesser-art.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/223\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":4043,"href":"https:\/\/www.troesser-art.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/223\/revisions\/4043"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.troesser-art.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=223"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.troesser-art.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=223"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.troesser-art.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=223"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}