{"id":205,"date":"2019-01-14T14:08:26","date_gmt":"2019-01-14T14:08:26","guid":{"rendered":"http:\/\/web349.c5.webspace-verkauf.de\/?p=205"},"modified":"2021-01-31T12:26:58","modified_gmt":"2021-01-31T12:26:58","slug":"der-ball","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.troesser-art.de\/?p=205","title":{"rendered":"Das Kreuz ist nicht rund und der Ball ist kein Kreuz"},"content":{"rendered":"\t\t<div data-elementor-type=\"wp-post\" data-elementor-id=\"205\" class=\"elementor elementor-205\">\n\t\t\t\t\t\t<div class=\"elementor-inner\">\n\t\t\t\t<div class=\"elementor-section-wrap\">\n\t\t\t\t\t\t\t\t\t<section class=\"elementor-section elementor-top-section elementor-element elementor-element-79948e0 elementor-section-boxed elementor-section-height-default elementor-section-height-default\" data-id=\"79948e0\" data-element_type=\"section\">\n\t\t\t\t\t\t<div class=\"elementor-container elementor-column-gap-default\">\n\t\t\t\t\t\t\t<div class=\"elementor-row\">\n\t\t\t\t\t<div class=\"elementor-column elementor-col-100 elementor-top-column elementor-element elementor-element-81ffab6\" data-id=\"81ffab6\" data-element_type=\"column\">\n\t\t\t<div class=\"elementor-column-wrap elementor-element-populated\">\n\t\t\t\t\t\t\t<div class=\"elementor-widget-wrap\">\n\t\t\t\t\t\t<div class=\"elementor-element elementor-element-3cbac5c elementor-widget elementor-widget-heading\" data-id=\"3cbac5c\" data-element_type=\"widget\" data-widget_type=\"heading.default\">\n\t\t\t\t<div class=\"elementor-widget-container\">\n\t\t\t<h2 class=\"elementor-heading-title elementor-size-default\">Vom H\u00f6hlenmenschen zum Fu\u00dfballspieler<\/h2>\t\t<\/div>\n\t\t\t\t<\/div>\n\t\t\t\t\t\t<\/div>\n\t\t\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/div>\n\t\t\t\t\t\t\t\t<\/div>\n\t\t\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/section>\n\t\t\t\t<section class=\"elementor-section elementor-top-section elementor-element elementor-element-7b9748f elementor-section-boxed elementor-section-height-default elementor-section-height-default\" data-id=\"7b9748f\" data-element_type=\"section\">\n\t\t\t\t\t\t<div class=\"elementor-container elementor-column-gap-default\">\n\t\t\t\t\t\t\t<div class=\"elementor-row\">\n\t\t\t\t\t<div class=\"elementor-column elementor-col-100 elementor-top-column elementor-element elementor-element-42677a5\" data-id=\"42677a5\" data-element_type=\"column\">\n\t\t\t<div class=\"elementor-column-wrap elementor-element-populated\">\n\t\t\t\t\t\t\t<div class=\"elementor-widget-wrap\">\n\t\t\t\t\t\t<div class=\"elementor-element elementor-element-1436650 elementor-widget elementor-widget-text-editor\" data-id=\"1436650\" data-element_type=\"widget\" data-widget_type=\"text-editor.default\">\n\t\t\t\t<div class=\"elementor-widget-container\">\n\t\t\t\t\t\t\t\t<div class=\"elementor-text-editor elementor-clearfix\">\n\t\t\t\t<h3 class=\"entry-content\"><em>\u201eAls der Mensch sich auf die Hinterbeine stellte, tat er schon den ersten Schritt zum Fu\u00dfballspieler\u201c<\/em>\u00a0 schreibt der bekannte englische Autor und Verhaltensforscher Desmond Morris in seinem Buch\u00a0<em>\u201eDas Spiel \u2013Faszination und Ritual des Fu\u00dfballs\u201c<\/em>. Um schlie\u00dflich von einem guten Sammler zu einem guten J\u00e4ger zu werden, musste der Mensch (Mann) eine Reihe k\u00f6rperlicher und geistiger Eigenschaften entwickeln, so Morris<em>: \u201cGewandtheit und List, Hartn\u00e4ckigkeit und Ausdauer bei der Verfolgung, Mut und Tapferkeit angesichts der Gefahr f\u00fcr Leib und Leben, die von dem gehetzten Wild ausging. Und schlie\u00dflich die wichtigste aller F\u00e4higkeiten, mit seinen Jagd- und Spie\u00dfgesellen gemeinsame Sache zu machen \u2013 lauter Tugenden eines Fu\u00dfballprofis\u201c.<\/em><\/h3><h3>Diese rituelle Hatz als Befriedigung von Urbed\u00fcrfnissen, wie sie bis heute im Fu\u00dfball mitschwingen, analysiert der Anthropologe nicht nur als Wissenschaftler, sondern aus eigener Erfahrung. Jahrelang war Morris Direktor des englischen Fu\u00dfballklubs \u201eOxford United\u201c und wei\u00df daher auch, wovon er spricht, wenn sich Woche f\u00fcr Woche bunt verkleidete Figuren in Scharen sammeln, formieren, gr\u00f6len, singen, Fahnen und Feldzeichen in den Stammesfarben schwingend sternf\u00f6rmig zu einem Ort str\u00f6men: Einem ca. 8000 Meter gro\u00dfes Rasenst\u00fcck, das mit geometrischen Kreidezeichen einteilt ist.\u00a0<\/h3><h3><em>\u201cIm Herzen eines jeden Fu\u00dfballterritoriums liegt der gro\u00dfe Stammestempel, das Stadion, von dem eine solche Magie ausstrahlt, dass ein Stammesmitglied selbst an Tagen, an denen kein Spiel stattfindet, nicht daran vorbeigehen kann, ohne ein sonderbares Gef\u00fchl der Erwartung\u00a0 in sich aufsteigen zu f\u00fchlen \u2013 eine heilige St\u00e4tte von einer Bedeutung, die ein Au\u00dfenstehender nicht erfassen kann<\/em>\u201c, schreibt Morris und die Verbindung von Fu\u00dfball und Religion zieht sich durch die gesamte Fu\u00dfballgeschichte bis heute.\u00a0<\/h3><h3><em><strong>\u201eSCHALKE unser im himmel, verteidigt werde dein name. dein sieg komme. wie zuhause, so auch auswerts. unseren \u00fcbligen heim sieg gib uns immer. und gib uns das \u201eZU 0\u201c, so wie wir dir geben die unterst\u00fc\u00dfung. und nimals vergib denen aus der n\u00e4he von DORTMUND. die wie wir denen auch nie vergeben werden. und f\u00fchre uns stehts ins FINALE. den dein ist der SIEG und die MACHT und die MEISTERSCHAFT in EWIGKEIT \/ ATTTAKE!!!!\u201c<\/strong>\u00a0<\/em>(Originalzitat inklusive Orthographie aus dem Netz\/&gt;&gt;LINK( <a href=\"http:\/\/www.arche-internetz.net\/viewtopic.php?t=2155&amp;start=45\" data-slimstat=\"5\">http:\/\/www.arche-internetz.net\/viewtopic.php?t=2155&amp;start=45<\/a>\u00a0)\u00a0<\/h3><h3>Dieses umgeschriebene christliche Gebet kommentiert ein jungen Fan im Internet:\u00a0<em>\u201cGeil! Nicht so langweilig wie das Vater Unser!\u201c\u00a0<\/em>\u00a0<\/h3><h3>Obwohl laut UEFA-Regularien religi\u00f6se Gesten und Zeichen auf dem Feld nicht erlaubt sind, sprechen die Parallelen von Religion und Sport hier eine eigene Sprache: Der \u201eFu\u00dfballgott\u201c spielt mit der \u201eHand Gottes\u201c auf dem \u201eheiligen Rasen\u201c, w\u00e4hrend der Trainer in seinem \u201eTempel\u201c sitzt und der Unparteiische wie \u201eGlockenklang\u201c pfeift.\u00a0<em>\u201cDer feierliche Einzug der Spieler, die antiphonalen Ges\u00e4nge beim Vorstellen der Spieler, die liturgische Fankleidung: Schal statt Pallium, Zipfelm\u00fctze statt Mitra, die Fahne statt Tragekreuz \u2013 all das wirkt liturgisch\u201c<\/em> (Merkt 2006 Zitat aus: Abseits-Religion. Fu\u00dfball als Religionsersatz? Mike S. Sch\u00e4fer &amp; Mathias Sch\u00e4fer &gt;&gt;LINK(<a href=\"http:\/\/www.ipmz.uzh.ch\/Abteilungen\/Wissenschaftskommunikation\/Personen\/Schaefer\/4_13.pdf\" data-slimstat=\"3\">http:\/\/www.ipmz.uzh.ch\/Abteilungen\/Wissenschaftskommunikation\/Personen\/Schaefer\/4_13.pdf<\/a>)\u00a0<\/h3><h3>Die Fans\u00a0<em>pilgern<\/em>\u00a0samstags in langen\u00a0<em>Prozessionen<\/em>\u00a0singend zum Tempel, um in hoher Gruppenzugeh\u00f6rigkeit Momente der Freude und des Leides zu teilen, das Gute und das B\u00f6se, das Heil und den Untergang, um ihre begnadeten Helden wie Heilige anzubeten, feiern oder verdammen. Trikots und Autogramme werden wie Reliquien verehrt. Auch die zeitliche Strukturierung durch Spielplan, den Samstag als Spieltag und weitere Fanaktivit\u00e4ten \u00e4hneln der Ritualisierung durch religi\u00f6se Feste oder Sonntagesliturgien. Der Sonderstellung des Sonntags f\u00fcr Christen entspricht f\u00fcr Fu\u00dfballbegeisterte in der Regel der Samstagnachmittag: \u201e<em>Die Spieltage am Wochenende sind der Fixpunkt, von dem aus \u201aechte\u2019 Fans planen bzw. die Chronologie von Ereignissen bestimmen.\u201c (Franke 1991)\u00a0<\/em>\u00a0<\/h3><h3>Aloys Behler schildert den orgisatischen Moment des Spiels:<em>\u00a0\u201eH\u00f6hepunkt des Rituals ist immer und \u00fcberall der gelungene Torschu\u00df. Nichts im Fu\u00dfball ist dem Augenblick vergleichbar, da der Ball ins Netz f\u00e4hrt. Tore haben ihre eigene Legende\u2026\u201c<\/em>\u00a0und schreibt , wie zentrale Weltmeisterschaftstore (Rahn 1954, Emmerich 1966, Uwe Seeler 1970\u2026) bis heute Fans in einen Zustand un\u00fcbertroffener Trance versetzen und Spieler zu Kultfiguren erh\u00f6hen, wie z.B. Pele. Ein Gedenkstein in Rio de Janeiro erinnert an sein tausendstes Tor, die Kirchenglocken l\u00e4uteten, Feuerwerksk\u00f6rper explodierten unter dem frenetischen Applaus von \u00fcber 200000 Zuschauern bei der triumphalen Stammesfeier (Obwohl das ganze nur manipuliert war)(<a href=\"http:\/\/www.zeit.de\/autoren\/B\/Aloys_Behler\/index.xml\" data-slimstat=\"5\">http:\/\/www.zeit.de\/autoren\/B\/Aloys_Behler\/index.xml<\/a>)\u00a0<\/h3><h3 class=\"entry-content\">Und die Spieler selbst? \u201c<em>Einmal in der Woche zieht der Fu\u00dfballkrieger in die Schlacht der neunzig Minuten, f\u00fcr die Zwischenzeit w\u00fcnscht er sich ein ruhiges Pl\u00e4tzchen und ein liebend Weib, das seine Wunden pflegt. So ist es im Stamme eigentlich immer die Sitte gewesen\u201c\u00a0<\/em>schreibt Behler und bemerkt weiter<em>: \u201cDer Held hat es freilich auch nicht leicht, lebt er doch in einem best\u00e4ndigen Rollenkonflikt. Einerseits muss er, will er pers\u00f6nlichen Erfolg haben, als Individuum brillieren, die Stammesgenossen ausstechen oder \u00fcbertrumpfen, andererseits kann er nur Erfolg haben, wenn er sich ins Teamwork einordnet und mannschaftsdienlich spielt. Dem Stammeshelden wird einiges auch an geistigen Dribbelk\u00fcnsten abverlangt, soll die Symbiose von egozentrischer Selbsts\u00fcchtigkeit und selbstlosem Mannschaftsgeist gelingen.\u201c<\/em>\u00a0<\/h3><h3>Diese endorphinreiche, rauschhafte Grenzerfahrung, egal ob beim Spieler oder Fan z.B. bei einem Tor, das zur Weltmeisterschaft f\u00fchrt, dieses Erlebnis der Transzendenz ist auch Teil jeder Religion, bei der der Gl\u00e4ubige z.B. im Gebet oder beim Abendmahl die Epiphanie, also die Erscheinung des G\u00f6ttlichen erleben will, kann oder erlebt. Auch wenn sich in diesem Moment neben den Parallelen \u00e4u\u00dferer Rituale Religion und Fu\u00dfball zu \u00e4hnlicher Seinserfahrung f\u00fchren k\u00f6nnen und es weitere Schnittmengen z.B. in der sozialen Funktion der Religion, Riten, Zeichen usw. f\u00fcr Menschen gibt, unterscheiden sich beide grundlegend.<\/h3><h3>Fu\u00dfball hilft vielen zwar zu innerem Gleichgewicht, Kommunikation, Selbstwertgef\u00fchl und vielleicht auch k\u00f6rperlicher Gesundheit, er beantwortet aber keine existentiellen Fragen. Der Fu\u00dfball macht somit Sinn, kann aber nicht sinngebend sein. Er kann einen hohen Wert darstellen f\u00fcr den Einzelnen, f\u00fcr die Gruppe oder die Gesellschaft, er ist aber kein Wertesystem f\u00fcr Dasein. Er ist Mittel zum Zweck, z.B. sich zu beweisen, zu gewinnen oder mitzuleiden, er ist aber nie Zweck selbst. Er kann Welt und Leben nicht erkl\u00e4ren.<\/h3><h3>Er ist hochgradig k\u00f6rperorientiert und hat zu einem K\u00f6rperkult gef\u00fchrt, der die ausschlie\u00dft, die dem z.B. durch Behinderung nicht folgen k\u00f6nnen oder wollen. In einer Zeit wachsender Sinnentleerung k\u00f6nnen viele den Sport wie Fu\u00dfball als ihre Ersatzreligion begreifen, werden aber merken, dass existentielle Momente von Schmerz, Verzweiflung und Trauer, Gl\u00fcck und Hoffnung weder durch das Kickern noch den Besuch im Stadion nur in Ans\u00e4tzen ersetzt werden k\u00f6nnen.\u00a0<\/h3><h3>Das Kreuz ist eben nicht rund und der Ball ist kein Kreuz.<\/h3><h3>&gt;&gt;LINKS zum Thema(<a href=\"http:\/\/blog.br.de\/woran-glauben\/2014\/06\/12\/gott-im-abseits-fussball-als-ersatzreligion\/\" data-slimstat=\"5\">http:\/\/blog.br.de\/woran-glauben\/2014\/06\/12\/gott-im-abseits-fussball-als-ersatzreligion\/<\/a>\u00a0<a href=\"http:\/\/www.zeit.de\/online\/2007\/08\/fussball-und-religion\" data-slimstat=\"5\">http:\/\/www.zeit.de\/online\/2007\/08\/fussball-und-religion<\/a>\u00a0<a href=\"https:\/\/marginalie.hypotheses.org\/473\" data-slimstat=\"5\">https:\/\/marginalie.hypotheses.org\/473<\/a><\/h3><h3 class=\"entry-content\">C Text \/ Troesser Quelle: Das Spiel \u2013 Faszination und Ritual des Fu\u00dfballs\/ Droemer Knauer Bildzitat und Textzitate Aloys Behler: Zeit Magazin Nr.41 \/ 2.Oktober 1981<\/h3>\t\t\t\t\t<\/div>\n\t\t\t\t\t\t<\/div>\n\t\t\t\t<\/div>\n\t\t\t\t\t\t<\/div>\n\t\t\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/div>\n\t\t\t\t\t\t\t\t<\/div>\n\t\t\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/section>\n\t\t\t\t\t\t\t\t\t<\/div>\n\t\t\t<\/div>\n\t\t\t\t\t<\/div>\n\t\t","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Vom H\u00f6hlenmenschen zum Fu\u00dfballspieler \u201eAls der Mensch sich auf die Hinterbeine stellte, tat er schon den ersten Schritt zum Fu\u00dfballspieler\u201c\u00a0 schreibt der bekannte englische Autor und Verhaltensforscher Desmond Morris in seinem Buch\u00a0\u201eDas Spiel \u2013Faszination und Ritual des Fu\u00dfballs\u201c. 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