{"id":1642,"date":"2016-08-14T17:37:47","date_gmt":"2016-08-14T17:37:47","guid":{"rendered":"http:\/\/web349.c5.webspace-verkauf.de\/?p=1642"},"modified":"2021-01-31T12:31:48","modified_gmt":"2021-01-31T12:31:48","slug":"augenstreik","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.troesser-art.de\/?p=1642","title":{"rendered":"Augenstreik im Kinosessel"},"content":{"rendered":"\t\t<div data-elementor-type=\"wp-post\" data-elementor-id=\"1642\" class=\"elementor elementor-1642\">\n\t\t\t\t\t\t<div class=\"elementor-inner\">\n\t\t\t\t<div class=\"elementor-section-wrap\">\n\t\t\t\t\t\t\t\t\t<section class=\"elementor-section elementor-top-section elementor-element elementor-element-b9af4ea elementor-section-boxed elementor-section-height-default elementor-section-height-default\" data-id=\"b9af4ea\" data-element_type=\"section\">\n\t\t\t\t\t\t<div class=\"elementor-container elementor-column-gap-default\">\n\t\t\t\t\t\t\t<div class=\"elementor-row\">\n\t\t\t\t\t<div class=\"elementor-column elementor-col-100 elementor-top-column elementor-element elementor-element-a41eeac\" data-id=\"a41eeac\" data-element_type=\"column\">\n\t\t\t<div class=\"elementor-column-wrap elementor-element-populated\">\n\t\t\t\t\t\t\t<div class=\"elementor-widget-wrap\">\n\t\t\t\t\t\t<div class=\"elementor-element elementor-element-66100bb elementor-widget elementor-widget-text-editor\" data-id=\"66100bb\" data-element_type=\"widget\" data-widget_type=\"text-editor.default\">\n\t\t\t\t<div class=\"elementor-widget-container\">\n\t\t\t\t\t\t\t\t<div class=\"elementor-text-editor elementor-clearfix\">\n\t\t\t\t<header class=\"entry-header\"><h3 class=\"title-post entry-title\">\u00a0<\/h3><\/header><div class=\"entry-content\"><div class=\"entry-content\"><h3>Ich mag Radio. Und bin auch verf\u00fchrbar. Zum Beispiel von einem Kino-Trailer, den ich beim Kinofilm:\u00a0<em>\u201eWillkommen bei den Hartmanns\u201c, s<\/em>ah und mir nicht mehr aus dem Sinn ging:\u00a0\u00a0<strong><em>\u201eRadio\/Heimat<\/em><\/strong>\u201c. \u00a0Beides Begriffe, die mich interessieren und dann dazu die Bilder von fr\u00fcher aus dem Ruhrgebiet, so eine Alltagsgeschichte aus der Gegend macht neugierig. Ist immer gut, vor allem f\u00fcr das Fr\u00fchergef\u00fchl. Wie alles geschah, wie alles war, als es war. Aber keiner schien die Verf\u00fchrung zu teilen, und so ging ich notgedrungen alleine ins Ratinger Kino.<\/h3><h3>Es begann schon damit, dass wieder eine lange Schlange im Vorraum stand und ich dachte: Siehst du, gut, dass Du so fr\u00fch gegangen bist. So attraktiv ist der Film also. Als er dann allerdings in dem vollbesetzten Kino sa\u00df und den gleichen\u00a0<em>Radio\/Heimat Trailer<\/em>\u00a0noch einmal sah, stutzte ich und dachte: \u00a0Das kann nicht sein. Ein Trailer f\u00fcr den Film, der grade l\u00e4uft. Ich glaub, ich bin im falschen Film. Genau so war es. Meine Kinosesselnachbarin kl\u00e4rte mich auf und fl\u00fcsterte:<em>\u00a0\u201eDer Film hei\u00dft Willkommen bei den Hartmanns\u201c,\u00a0<\/em>den ich ja schon gesehen hatte. Es war mir zwar peinlich und noch nie passiert, aber ich verlie\u00df den dunklen Kinosaal und merkte drau\u00dfen, dass mir die Kassiererin aus Versehen die falsche Karte gegeben hatte. Blau statt rot.\u00a0\u00a0<em>\u201eRadio\/Heimat\u201c<\/em>\u00a0 lief im blauen Saal, wenn man von Saal \u00fcberhaupt sprechen kann. Der Film hatte noch nicht angefangen und es waren genau 5 Zuschauerinnen im ganzen Raum verteilt. Eine mit einer Weinflasche. Das h\u00e4tte einem vielleicht zu denken geben sollen. Vielleicht brauchte man auch den Wein f\u00fcr das, was dann kam: Der ganze Film besteht aus einem Geschichtenerz\u00e4hler aus dem off, der einen von einen kurzen Trailer-Events zum anderen Trailern f\u00fchrt. Also die Aneinanderreihung von slapstickartigen kurzen Episoden. Wie kleine Szenen an einer ganzen W\u00e4scheleine des Erz\u00e4hlers im Hintergrund.<\/h3><h3>Die vier auf auf\u00a0 Vintage verkleideten J\u00fcnglinge spielen wie in einer Laienspielgruppe der Oberstufe. Die Dialoge der Pubert\u00e4tsbande wirken so auswendiggelernt, als w\u00e4ren die Jungen bei der Aufnahmepr\u00fcfung bei einer Dorf-Schauspielschule. Und die paar Schauspieler wie Elke Heidenreich\u00a0 oder Heinz Hoenig kommen nur eine kleine Episode lang sehr kurz vor. Hat man sie in der 80er Jahre Maske erkannt, sind sie auch schon wieder weg und tauchten nicht mehr auf.<\/h3><h3>Die Geschichte ist eigentlich keine Geschichte, sondern sie will die Geschichte der 80er Jahre aufleben lassen, was aber nur schwer gelingt. Der Film versucht, den Roman von\u00a0<em>Frank Goosen<\/em>\u00a0 in Film zu transferieren : \u00a0Tanzschule, M\u00e4dchen, erste Liebe, Saufen, immer wieder saufen und der ellenlange Plot auf der Klassenfahrt sind derart \u00fcberzeichnet, dass man am liebsten abschalten w\u00fcrde. Wenn es denn ein Fernseher w\u00e4re.<\/h3><h3>Und genau da streikten mir immer wieder und immer mehr die Augen und fielen einfach zu. Das ist im Kino noch nie passiert. Ein weiterer Grund hierf\u00fcr waren dieses st\u00e4ndigen Brechungen der filmischen Illusion\u00a0<em>(\u00dcbrigens von Ervin Goffman als \u201e,Downkeying\u201c bezeichnet)<\/em>\u00a0. Das \u00a0hei\u00dft konkret: \u00a0Die smarten \u00a0J\u00fcnglinge drehen sich pl\u00f6tzlich zum Zuschauer im Kinosaal und erkl\u00e4ren sich. Beispiel: Er steht vor seiner\u00a0 Angebeteten (die Eltern sind grade nat\u00fcrlich weg) im M\u00e4dchenzimmer und will sie zum ersten Mal k\u00fcssen, da dreht er sich zum Publikum und erkl\u00e4rt sich selbst\u00a0<em>(\u201eEigentlich kann ich nicht\u201c)<\/em>. So etwas kann deshalb f\u00fcr einen Spielfilm \u00a0t\u00f6dlich sein, weil man immer wieder aus der Handlung rausgerissen wird. Ein guter Schauspieler spielt so, dass der Zuschauer sieht, was er sagt, denkt, f\u00fchlt und muss sich nicht\u00a0 erkl\u00e4ren. \u00a0\u00a0<\/h3><h3>Und was das Ganze mit dem Radio zu tun hat, bleibt auch bis zum Schluss offen bis auf die Tatsache, dass ein paar Mal alte Radios an- und ausgeschaltet werden.<\/h3><h3>Es gibt selten Filme im Kino, bei denen man schon nach der H\u00e4lfte denkt, wann ist er endlich zuende. Da ist jede Dokumentation im Fernsehen \u00fcber die 80er Jahre im Ruhrgebiet besser, authentischer als dieser gut gemeinte aber schlecht gemachte Streifen Vergangenheit. Ihn kann man sich sparen. Das Geld auch. Verf\u00fchrung leider fehlgeschlagen.<\/h3><pre>C Bild&amp;Text Michael Troesser<\/pre><\/div><\/div>\t\t\t\t\t<\/div>\n\t\t\t\t\t\t<\/div>\n\t\t\t\t<\/div>\n\t\t\t\t\t\t<\/div>\n\t\t\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/div>\n\t\t\t\t\t\t\t\t<\/div>\n\t\t\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/section>\n\t\t\t\t\t\t\t\t\t<\/div>\n\t\t\t<\/div>\n\t\t\t\t\t<\/div>\n\t\t","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&nbsp; Ich mag Radio. Und bin auch verf\u00fchrbar. 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