{"id":1636,"date":"2017-06-14T17:33:55","date_gmt":"2017-06-14T17:33:55","guid":{"rendered":"http:\/\/web349.c5.webspace-verkauf.de\/?p=1636"},"modified":"2021-01-31T12:30:32","modified_gmt":"2021-01-31T12:30:32","slug":"phil-cologne","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.troesser-art.de\/?p=1636","title":{"rendered":"Phil.Cologne"},"content":{"rendered":"\t\t<div data-elementor-type=\"wp-post\" data-elementor-id=\"1636\" class=\"elementor elementor-1636\">\n\t\t\t\t\t\t<div class=\"elementor-inner\">\n\t\t\t\t<div class=\"elementor-section-wrap\">\n\t\t\t\t\t\t\t\t\t<section class=\"elementor-section elementor-top-section elementor-element elementor-element-b390733 elementor-section-boxed elementor-section-height-default elementor-section-height-default\" data-id=\"b390733\" data-element_type=\"section\">\n\t\t\t\t\t\t<div class=\"elementor-container elementor-column-gap-default\">\n\t\t\t\t\t\t\t<div class=\"elementor-row\">\n\t\t\t\t\t<div class=\"elementor-column elementor-col-100 elementor-top-column elementor-element elementor-element-7e37e1e\" data-id=\"7e37e1e\" data-element_type=\"column\">\n\t\t\t<div class=\"elementor-column-wrap elementor-element-populated\">\n\t\t\t\t\t\t\t<div class=\"elementor-widget-wrap\">\n\t\t\t\t\t\t<div class=\"elementor-element elementor-element-fc46c39 elementor-widget elementor-widget-image\" data-id=\"fc46c39\" data-element_type=\"widget\" data-widget_type=\"image.default\">\n\t\t\t\t<div class=\"elementor-widget-container\">\n\t\t\t\t\t\t\t\t<div class=\"elementor-image\">\n\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t<img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"300\" height=\"169\" src=\"https:\/\/www.troesser-art.de\/wp-content\/uploads\/2018\/08\/20170606_201527-900x506-300x169-1.jpg?v=1593285789\" class=\"attachment-medium_large size-medium_large\" alt=\"\" srcset=\"https:\/\/www.troesser-art.de\/wp-content\/uploads\/2018\/08\/20170606_201527-900x506-300x169-1.jpg?v=1593285789 300w, https:\/\/www.troesser-art.de\/wp-content\/uploads\/2018\/08\/20170606_201527-900x506-300x169-1-230x130.jpg?v=1593285789 230w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/>\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t<\/div>\n\t\t\t\t\t\t<\/div>\n\t\t\t\t<\/div>\n\t\t\t\t<div class=\"elementor-element elementor-element-e452bcc elementor-widget elementor-widget-text-editor\" data-id=\"e452bcc\" data-element_type=\"widget\" data-widget_type=\"text-editor.default\">\n\t\t\t\t<div class=\"elementor-widget-container\">\n\t\t\t\t\t\t\t\t<div class=\"elementor-text-editor elementor-clearfix\">\n\t\t\t\t<header class=\"entry-header\"><h1 class=\"title-post entry-title\">Zwischen Misere und Utopie<\/h1><\/header><div class=\"entry-content\"><h4>\u00a0<\/h4><h3 class=\"entry-content\">Wenn man zu einer philosophischen oder politischen, mehr noch zu einer politisch-philosophischen Veranstaltung geht, rechnet man mit einer Auseinandersetzung auf h\u00f6chstem intellektuellem Niveau un m\u00f6chte seine Lachmuskeln am liebsten zu Hause lassen. Anders bei der Er\u00f6ffnungsveranstaltung zum Thema:\u00a0<em><strong>\u201cWo stehen wir? Europa in der Krise\u201c<\/strong><\/em>, vor allem der klugen Besetzung der G\u00e4ste durch den Moderator J\u00fcrgen Wiebicke vom WDR, Mitorganisator der phil.cologne, geschuldet:\u00a0\u00a0\u00a0 Der gro\u00dfe franz\u00f6sisch-deutsche Soziologe, Publizist und Friedenspreistr\u00e4ger\u00a0<strong>Alfred Grosser<\/strong>, der alt68er Politiker\u00a0<strong>Daniel Cohn-Bendit<\/strong>, lange bei den Gr\u00fcnen, sowie die Philosophin und Politikwissenschaftlerin\u00a0<strong>Patrizia Nanz<\/strong>\u00a0lieferten einen erstaunlich lockeren und frischen Abend, ohne dass dadurch das \u00e4u\u00dferst ernste und aktuelle Thema litt. Dies begann schon damit, dass Wiebicke verschmitzt l\u00e4chelnd versprach, dass es in keinem Satz um die 68er gehen sollte.<\/h3><h3 class=\"entry-content\">\u00a0<\/h3><h3 class=\"entry-content\">Und so ging es um eine Analyse und Selbstreflektion eines durch \u201ePsychopaten\u201c wie Trump, Terroranschl\u00e4ge, \u00d6konische komplexe und gef\u00e4hrliche Verflechtungen oder neue Diktaturen arg gebeutelten Europa in der Krise, die uns durch die Horrornachrichten morgens im Radio schmerzlich nah vor die eigene T\u00fcre kommt. Aber \u00fcberraschenderweise vertrat Alfred Grosser, immerhin 92 Jahre und noch mit einem wachen und klugen Geist, der aus langer Erfahrung als Europ\u00e4er sprechen kann, von Beginn an eine\u00a0<strong><em>optimistische<\/em><\/strong>\u00a0Haltung, die den gesamten Abend pr\u00e4gte unter dem Motto:\u00a0<em>Europa, Deutschland und die Partner haben in den letzten 70 Jahren so viele Krisen gemeistert, haben alleine oder im Verbund so tiefe T\u00e4ler durchschritten und auch aus dieser dramatische Misere werden wir wieder gemeinsam herauskommen.\u00a0<\/em>Und sicher wei\u00df der 92igj\u00e4hrige Europ\u00e4er wovon er spricht.Aber\u00a0<strong><em>wie\u00a0<\/em><\/strong>in einem Europa, das einerseits durch sich selbst auseinander zu brechen droht, andererseits z.B. durch einen ehemaligen Partner, Verb\u00fcndeten und Freund Amerika, um nur einen zu nennen, auch von au\u00dfen bedroht ist.Einer der wichtigsten Ans\u00e4tze, diesen Knoten zu l\u00f6sen, war an dem Abend die R\u00fcckbesinnung auf das, war haben und was wir sind in Europa: Wir haben die besten Demokratien in der Welt, sind eine der gro\u00dfen Wirtschaftsm\u00e4rkte, sind (gemeinsam) eine der starken Milit\u00e4rm\u00e4chte, haben auch moralische Vision\u00e4re wie Gauk oder Steinmeier. Warum setzten wir nicht alles auf diese Karte, um im Verbund den Bedrohungen von allen Seiten entgegenzutreten. Oder wie es Cohn-Bendit in seiner direkten und bildhaften Diktion sinngem\u00e4\u00df formulierte:\u00a0<em>\u201cH\u00f6rt endlich das Jammern auf, das europ\u00e4ische Glas ist zu 80 Prozent voll! Vergesst endlich den so typisch deutschen Satz \u2013 das kriegen wir sowieso nicht hin \u2013 und baut einen gesamteurop\u00e4ischen Weg, der auch von Br\u00fcssel auch zentral gesteuert werden muss. H\u00f6rt das nationalstaatliche denken auf und verlasst euch nicht auf Parteien, die sich selbst im Weg stehen. Und ich wei\u00df wovon ich spreche, denn bei den Gr\u00fcnen sind sich auch nicht alle gr\u00fcn\u201c.<\/em>(Gel\u00e4chter)Er fordert eine schlagf\u00e4hige gesamt europ\u00e4ische Armee und keine national zerfaserten Einzelk\u00e4mpfer, die sofort nach Amerika rufen, wenn ihnen die Munition ausgeht. (Gel\u00e4chter) Seine gro\u00dfen Hoffnungstr\u00e4ger sind die\u00a0<em>neuen Jungen<\/em>\u00a0(Nicht mehr die jungen Wilden) wie Emmanuel Marcon gegen die Alten (Tr\u00e4nens\u00e4cke), die viel zu lange im Amt sind und eher bremsen als angstfrei und nachhaltig Zukunft bauen. All dies emphatisch und charismatisch vorgetragen von einem der f\u00fchrenden Architekten der 68er Politik. Einen Moment lang wundert man sich und assoziiert den Satz:\u201c<em>Wir schaffen das!\u201c<\/em>. Merkel und Cohn-Bendit, geht das?Wenn man allerdings genauer hinsieht f\u00e4llt einem sofort wieder eine der Parolen von damals ein:\u00a0<em>\u201cUnter den Talaren der Muff von tausend Jahren\u201c<\/em>. So erkennen wir ihn dann wieder, unseren alten Cohn-Bendit.<\/h3><h3 class=\"entry-content\">Und es schwingt schon ein wenig Stolz mit, wenn er sinngem\u00e4\u00df formuliert: \u201cWenn ich am 4.April 1945 , als ich in Frankreich auf die Welt kam, als erstes meinen Eltern gesagt h\u00e4tte,\u00a0<em>in 50 Jahren wird es keine Grenze mehr zwischen Frankreich und Deutschland geben<\/em>, h\u00e4tte sie mich wohl ungl\u00e4ubig angesehen und als Fr\u00fchchen in den Mutterleib zur\u00fcck geschickt\u201c.(Gel\u00e4chter) Das nennt man Utopie, Vision und Realit\u00e4t. Alfred Grosser, eben einer der wichtigen Architekten dieser deutsch-franz\u00f6sischen Freundschaft, dessen neuestes Buch den wunderbaren und treffenden Titel tr\u00e4gt:\u00a0<em>\u201cLe Mensch\u201c,<\/em>\u00a0formuliert es moderater, weiser als der unterhaltsame K\u00e4mpfer \u201eDanni\u201c Cohn-Bendit. Grosser fragt sich auch, wie die Welt in 100 Jahren aussehen wird, wie Europa, und seine gr\u00f6\u00dfte Forderung ist, nicht mit dem Finger auf seine Feinde zu zeigen und sie als Gegner zu sehen, sondern sich in ihre Lage zu versetzen, wie jene sich in unsere. Nur so gelingt ein gemeinsamer Weg f\u00fcr Europa, will es in diesen 100 Jahren \u00fcberhaupt noch eine Rolle spielen.Wie all dies konkret gelingen kann, bot als Dritte im Bund Patrizia Nanz an, Professorin f\u00fcr transformative Nachhaltigkeitswissenschaft an der Universit\u00e4t Potsdam . Sie erforscht die Gelingensbedingungen gesellschaftlichen Wandels und experimentiert mit ko-kreativen Denk- und Gestaltungsprozessen. Sie vertritt den Ansatz einer Partizipation, Beteiligung von wenigen,\u00a0<em>zuf\u00e4llig ausgew\u00e4hlten<\/em>\u00a0B\u00fcrgern, die L\u00f6sungsvorschl\u00e4ge zu Zukunftsfragen erarbeiten. Die Gremien sind konsultativ, erfordern aber ein verbindliches Feedback eines Gemeinderats, Landtags oder Bundestags. Eine Diskussion einer solcher konkreten, zukunftweisenden, innovativen Theorie\u00a0 fand leider nicht statt und wurde mit dem lapidaren Satz:\u00a0<em>\u201cWas ist, wenn zuf\u00e4llig 20 AFDler bei den Ausgelosten sind?\u201c<\/em>\u00a0abgewiegelt. Nat\u00fcrlich hatte die Professorin es etwas schwer neben den beiden prominenten alten Hasen. Obwohl gerade sie ein gutes Beispiel f\u00fcr die Generation der \u201eneuen Jungen\u201c h\u00e4tte sein k\u00f6nnen.So war der Abend gepr\u00e4gt von der Ambivalenz zwischen der positiven Utopie einer gemeinsamen europ\u00e4ischen Zukunft und der Sorge darum, dass Europa im Verbund der gesamten Welt (China, USA, Rusland, Saudi Arabien\u2026) irgendwann nur noch eine Rolle spielen wird wie Malta oder Andorra heute in Europa.Zum Schluss der Veranstaltung war man beseelt von so viel Optimismus und vision\u00e4rer Einigkeit. Aber schon auf der Domplatte musste man unwillk\u00fcrlich an die Silvesternacht denken und auf dem Heimweg erneut an die Sorge, bei den n\u00e4chsten Radionachrichten von neuen Terroranschl\u00e4gen zu h\u00f6ren.Doch ohne kluge Vision\u00e4re wie Grosser, politische K\u00e4mpfer wie Cohn-Bendit oder Wissenschatlerinnen wie Nanz m\u00fcsste Cohn-Bendit (und die anderen Mitstreiter) tats\u00e4chlich wieder als Fr\u00fchchen in den Mutterleib der Vergangenheit zur\u00fcck. Denn dann st\u00e4nden wir nicht da, wo wir heute stehen und h\u00e4tten keine Chance zur Erneuerung eines geeinten Europa.<\/h3><h3>\u00a0C Text und Bilder Troesser \u00a0<\/h3><\/div>\t\t\t\t\t<\/div>\n\t\t\t\t\t\t<\/div>\n\t\t\t\t<\/div>\n\t\t\t\t\t\t<\/div>\n\t\t\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/div>\n\t\t\t\t\t\t\t\t<\/div>\n\t\t\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/section>\n\t\t\t\t\t\t\t\t\t<\/div>\n\t\t\t<\/div>\n\t\t\t\t\t<\/div>\n\t\t","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Zwischen Misere und Utopie \u00a0 Wenn man zu einer philosophischen oder politischen, mehr noch zu einer politisch-philosophischen Veranstaltung geht, rechnet man mit einer Auseinandersetzung auf h\u00f6chstem intellektuellem Niveau un m\u00f6chte seine Lachmuskeln am liebsten zu Hause lassen. Anders bei der Er\u00f6ffnungsveranstaltung zum Thema:\u00a0\u201cWo stehen wir? 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