{"id":1596,"date":"2018-08-14T17:11:14","date_gmt":"2018-08-14T17:11:14","guid":{"rendered":"http:\/\/web349.c5.webspace-verkauf.de\/?p=1596"},"modified":"2021-03-07T17:27:55","modified_gmt":"2021-03-07T17:27:55","slug":"einzug-in-neues-leben","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.troesser-art.de\/?p=1596","title":{"rendered":"Einzug in neues Leben"},"content":{"rendered":"\t\t<div data-elementor-type=\"wp-post\" data-elementor-id=\"1596\" class=\"elementor elementor-1596\">\n\t\t\t\t\t\t<div class=\"elementor-inner\">\n\t\t\t\t<div class=\"elementor-section-wrap\">\n\t\t\t\t\t\t\t\t\t<section class=\"elementor-section elementor-top-section elementor-element elementor-element-6d4cdeb elementor-section-boxed elementor-section-height-default elementor-section-height-default\" data-id=\"6d4cdeb\" data-element_type=\"section\">\n\t\t\t\t\t\t<div class=\"elementor-container elementor-column-gap-default\">\n\t\t\t\t\t\t\t<div class=\"elementor-row\">\n\t\t\t\t\t<div class=\"elementor-column elementor-col-100 elementor-top-column elementor-element elementor-element-0f500f9\" data-id=\"0f500f9\" data-element_type=\"column\">\n\t\t\t<div class=\"elementor-column-wrap elementor-element-populated\">\n\t\t\t\t\t\t\t<div class=\"elementor-widget-wrap\">\n\t\t\t\t\t\t<div class=\"elementor-element elementor-element-d454aa7 elementor-widget elementor-widget-text-editor\" data-id=\"d454aa7\" data-element_type=\"widget\" data-widget_type=\"text-editor.default\">\n\t\t\t\t<div class=\"elementor-widget-container\">\n\t\t\t\t\t\t\t\t<div class=\"elementor-text-editor elementor-clearfix\">\n\t\t\t\t<header class=\"entry-header\"><h2 class=\"title-post entry-title\">Design statt Sein\u00a0<\/h2><\/header><div class=\"entry-content\"><h3>Wenn die smarte Eva Brenner mit ihrem Team ihren Einsatz bei der RTL 2 Dokusoap vor einem Millionenpublikum abwickelt,\u00a0 bleibt kein M\u00f6belst\u00fcck auf dem anderen, bleibt keine \u00fcber Jahre gewachsene und vielleicht in die Jahre gekommene Wohnkultur erhalten, jede liebgewonnene Farbe muss weichen. Und kein Auge bleibt trocken.<\/h3><h3>Denn Eva Brenner spielt die Wohng\u00f6ttin und zaubert mit ihrem Team in ein paar Tagen, in denen die Familie ins Hotelasyl geschickt wird, aus den immer verkommenen, chaotischen, unaufger\u00e4umten und uns\u00e4glich altmodischen Wohnungen und Zimmern neue, farbige und hochmoderne Wohnlandschaften. Sch\u00f6ner wohnen pur. Nachdem die 2006 mit dem Deutschen Fernsehpreis dotierte Serie wegen mangelnder Zuschauerzahlen eingestellt wurde, lebt sie nun als kleinere Version<em>:\u00a0 \u201eZuhause im Gl\u00fcck \u2013 Unser Einzug in ein neues Leben\u201c<\/em>\u00a0weiter.<\/h3><h3>Unterbrochen von minutenlanger Werbung, durch die das Unbegreifliche finanziert wird, werden die staunenden TV-Konsumenten Zeuge eines wahren Wunders, das Wunder der h\u00e4uslichen Verwandlung. Auch wenn der unbedarfte Zuschauer denkt, es w\u00e4re wirklich eine Wandlung in drei Tagen. Aber der TV-Schauer m\u00f6chte ja auch ein bisschen get\u00e4uscht werden, denn was w\u00e4re das Medium, wenn es genau so w\u00e4re wie das reale Leben. Es wenig Zauber also muss sein, und wenn auch nur drei Tage. Ein Wunder eben.<\/h3><h3>Vermeintliche drei Tage wird ger\u00e4umt, aussortiert, gekauft, gezimmert, gestrichen und geklopft, bis schlie\u00dflich aus den dunklen H\u00f6hlen der Vergangenheit helle Schaufensterarrangements entstanden sind. Jedes Zimmer ein kleines buntes Paradies, jede K\u00fcche eine mit modernster High-Tec ausgestattete Zeile, jedes Kinderzimmer eine hellblaue oder hell rosa \u00a0Kuschelkiste und aus dem langen Familienleben sorgsam zusammengestellten Wohnzimmern eine Lounge aus Lack und Leder.<\/h3><h3>Eva Brenner ist in ihrem Element. Sie dirigiert ein gef\u00fcgiges Handwerkerteam, freut sich \u00fcber jede Wohnidee und versucht sich v\u00f6llig hineinzudenken in die reich Beschenkten, um es ihnen so sch\u00f6n, so neu wie m\u00f6glich zu machen. Dabei macht sie es vor allem sich selbst so sch\u00f6n wie m\u00f6glich, denn sie liebt Farben und das Arrangieren. Und nennt es Kreativit\u00e4t. Sie liebt es, Freude zu bereiten mit anderer Leute Geld, sie liebt es, im Mittelpunkt zu stehen und sie liebt vor allem die sch\u00f6nen Dinge und bedient damit das Wohnklischee der Moderne. Sie spielt Sendung f\u00fcr Sendung eine Barbie, die sch\u00f6ne bunte Puppenstuben baut, nur dass es hier nicht um Puppen geht, sondern um Menschen und nicht um Stuben, sondern um richtige Wohnungen. Und wir schauen zu. Wir k\u00f6nnen endlich einmal so nah in real existierende Wohnungen schauen, wie wir es uns bei unseren Nachbar nicht trauen. Hier k\u00f6nnen wir die Abgr\u00fcnde\u00a0 von Abstellkammern ebenso voyeuristisch begutachten wie die verkommenen Schlafzimmer und verkalkten B\u00e4der. Distanzlos nah und doch so fern. Vor allem fern von uns, die wir meist nicht so leben m\u00fcssen.<\/h3><h3>Am Ende der Sendung dann der Showdown, der Plot als H\u00f6hepunkt. Die spannende Aufl\u00f6sung des Wunders. Im Spalier der klatschenden Nachbarn werden die Bed\u00fcrftigen, Chaoten und Hilfesuchenden nach Hause gef\u00fchrt, wie die heilige Familie in ihre neuen heiligen Hallen. Ihnen, die vormals am Abgrund des Wohnens nicht lebten, sondern hausten, ihnen wird nun gegeben, ihnen werden die Augen ge\u00f6ffnet, ihnen wird gezeigt, was richtiges Wohnen, ja der\u00a0<em>\u201eEinzug in ein neues Leben\u201c<\/em>\u00a0hei\u00dft. Der einzige Tribut, den sie zahlen m\u00fcssen, ist, ihr Intimstes, ihre Innenwelt hinter den W\u00e4nden, ihre Heimstatt einem gaffenden Millionenpublikum zu \u00f6ffnen \u2013 begutachtet, belacht, beneidet, bemitleidet, bestaunt.<\/h3><h3>Mit lauten \u201eAhs\u201c und \u201eOhs\u201c werden sie\u00a0 in ihre neue Wohnwelt gef\u00fchrt, in ihr neues Leben, ihr neues Gl\u00fcck. Zwischendurch werden d\u00fcstere Bilder von damals, vor einer Woche, Bilder von Zimmern vor der wundersamen Erl\u00f6sung gezeigt. Wie konnte man da nur leben, wie hat man es nur da ausgehalten? Wehe, wenn da keine Tr\u00e4nen flie\u00dfen, wehe, wenn die Frage kommt, wo denn die zwar nicht mehr ganz sch\u00f6ne, durchgesessene Couch geblieben ist , Omas Ofen oder der alte Seemannskoffer, der schon so viele Umz\u00fcge erlebt hat. Nein, hier gilt nur das \u00fcberw\u00e4ltigtes Staunen, in dem neuen Leben z\u00e4hlen nur Tr\u00e4nen des Gl\u00fccks, hier gilt nur der Dank an Eva\u00a0 und ihrem Sender, der einem das Wunder erm\u00f6glicht hat, diesen Aufbruch in eine neue, farbige Freiheit. Jetzt ist sie endlich wieder wer, diese Familie, in einer Welt in der nur z\u00e4hlt wer zahlt. Und wenn es auch nur das Fernsehen, die Werbung oder wir alles sind, die zahlen.<\/h3><h3>Was am n\u00e4chsten Tag geschieht bekommt\u00a0 der TV Voyeurs, der vielleicht auch einige Tr\u00e4nen der R\u00fchrung und des Sozialneides wegdr\u00fcckt, nat\u00fcrlich nicht mehr mit. Die Suche der reich beschenkten Familie nach dem, was wir Heimat nennen, dieses gewachsene tiefe Gef\u00fchl, das althochdeutsch \u201ewohnen\u201c hie\u00df, n\u00e4mlich \u201ezufrieden sein\u201c, \u201esein\u201c und \u201ebleiben\u201c.<\/h3><h3>Wenn Eva mit gef\u00fclltem Euro-S\u00e4ckel weitergezogen ist zu neuen alten W\u00e4nden, ist f\u00fcr die Familie nichts geblieben, wie es einmal war. Das Gewachsene ist einer dreit\u00e4gigen Neukonstruktion gewichen. Das Sein ist zum Design, die neue Freiheit zur farbigen Fremdbestimmung verkommen.<\/h3><h3>C Text und Fotos Michael Troesser<\/h3><h3>\u00a0<\/h3><\/div>\t\t\t\t\t<\/div>\n\t\t\t\t\t\t<\/div>\n\t\t\t\t<\/div>\n\t\t\t\t\t\t<\/div>\n\t\t\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/div>\n\t\t\t\t\t\t\t\t<\/div>\n\t\t\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/section>\n\t\t\t\t\t\t\t\t\t<\/div>\n\t\t\t<\/div>\n\t\t\t\t\t<\/div>\n\t\t","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Design statt Sein\u00a0 Wenn die smarte Eva Brenner mit ihrem Team ihren Einsatz bei der RTL 2 Dokusoap vor einem Millionenpublikum abwickelt,\u00a0 bleibt kein M\u00f6belst\u00fcck auf dem anderen, bleibt keine \u00fcber Jahre gewachsene und vielleicht in die Jahre gekommene Wohnkultur erhalten, jede liebgewonnene Farbe muss weichen. 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