{"id":1586,"date":"2019-02-14T17:06:38","date_gmt":"2019-02-14T17:06:38","guid":{"rendered":"http:\/\/web349.c5.webspace-verkauf.de\/?p=1586"},"modified":"2021-01-31T12:26:34","modified_gmt":"2021-01-31T12:26:34","slug":"trimborn","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.troesser-art.de\/?p=1586","title":{"rendered":"Von der Ankerschiene zum Festsaal"},"content":{"rendered":"\t\t<div data-elementor-type=\"wp-post\" data-elementor-id=\"1586\" class=\"elementor elementor-1586\">\n\t\t\t\t\t\t<div class=\"elementor-inner\">\n\t\t\t\t<div class=\"elementor-section-wrap\">\n\t\t\t\t\t\t\t\t\t<section class=\"elementor-section elementor-top-section elementor-element elementor-element-30ca1b0 elementor-section-boxed elementor-section-height-default elementor-section-height-default\" data-id=\"30ca1b0\" data-element_type=\"section\">\n\t\t\t\t\t\t<div class=\"elementor-container elementor-column-gap-default\">\n\t\t\t\t\t\t\t<div class=\"elementor-row\">\n\t\t\t\t\t<div class=\"elementor-column elementor-col-100 elementor-top-column elementor-element elementor-element-2438bf5\" data-id=\"2438bf5\" data-element_type=\"column\">\n\t\t\t<div class=\"elementor-column-wrap elementor-element-populated\">\n\t\t\t\t\t\t\t<div class=\"elementor-widget-wrap\">\n\t\t\t\t\t\t<div class=\"elementor-element elementor-element-573974e elementor-widget elementor-widget-text-editor\" data-id=\"573974e\" data-element_type=\"widget\" data-widget_type=\"text-editor.default\">\n\t\t\t\t<div class=\"elementor-widget-container\">\n\t\t\t\t\t\t\t\t<div class=\"elementor-text-editor elementor-clearfix\">\n\t\t\t\t<p><strong><span style=\"font-size: 16px;\">Den Namen kennen viele in Ratingen. Man liest vom Trimbornsaal , war vielleicht schon mal bei einer Veranstaltung, hat schon einmal vom Trimborn-F\u00f6rderpreis geh\u00f6rt oder die Trimborn-Skulptur des Ratinger Bildhauers\u00a0 Yildrim Denizli vor dem Saal gesehen. Aber wer war dieser Friedhelm Trimborn, was hat er gemacht, um als M\u00e4zen solche Spenden den Kulturbereich in Ratingen unterst\u00fctzen zu k\u00f6nnen?<\/span><\/strong><\/p>\t\t\t\t\t<\/div>\n\t\t\t\t\t\t<\/div>\n\t\t\t\t<\/div>\n\t\t\t\t<div class=\"elementor-element elementor-element-bfdb162 elementor-widget elementor-widget-image\" data-id=\"bfdb162\" data-element_type=\"widget\" data-widget_type=\"image.default\">\n\t\t\t\t<div class=\"elementor-widget-container\">\n\t\t\t\t\t\t\t\t<div class=\"elementor-image\">\n\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t<img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.troesser-art.de\/wp-content\/uploads\/2020\/10\/20170305_160201-230x409.jpg\" title=\"20170305_160201\" alt=\"20170305_160201\" \/>\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t<\/div>\n\t\t\t\t\t\t<\/div>\n\t\t\t\t<\/div>\n\t\t\t\t<div class=\"elementor-element elementor-element-748d8cd elementor-widget elementor-widget-text-editor\" data-id=\"748d8cd\" data-element_type=\"widget\" data-widget_type=\"text-editor.default\">\n\t\t\t\t<div class=\"elementor-widget-container\">\n\t\t\t\t\t\t\t\t<div class=\"elementor-text-editor elementor-clearfix\">\n\t\t\t\t<p><span style=\"font-size: 16px;\"><i>Ich habe meinen damaligen\u00a0 Nachbarn Ferdinand\u00a0 Trimborn kurz vor seinem Tod 2008\u00a0 interviewt, der einer Ver\u00f6ffentlichung ausdr\u00fccklich zugestimmt hat. Hier Ausz\u00fcge aus dem sehr pers\u00f6nlichen Gespr\u00e4ch:<\/i><\/span><\/p><div class=\"entry-content\"><h3>Im extrem hei\u00dfen Sommer des Jahres 1921 wurde Ferdinand Trimborn in Duisburg-Kaiserberg geboren und ist dem Rheinland nach seinem Umzug nach Ratingen ein Leben lang treu geblieben.<\/h3><h3>Im Hause Trimborn spielte vor allem die Musik, das aktive Musizieren, seit Beginn an eine zentrale Rolle \u2013 und der kleine Ferdinand beneidete schon als kleiner Junge die sch\u00f6nen Instrumente der beiden \u00e4lteren Geschwister.<\/h3><h3>Ab seinem f\u00fcnften Lebensjahr lie\u00df sein Vater, Finanzbuchhalter bei der Deutschen Bank, dem kleinen Ferdi Geigenunterricht geben, eine Entscheidung, die f\u00fcr Ferdinand pr\u00e4gend werden sollte: Er spielte seitdem nicht nur mit seinem Lieblingsspielzeug, seiner gro\u00dfen ausziehbaren Blecheisenbahn, sondern vor allem auch auf seiner Violine.\u00a0 Sonntag f\u00fcr Sonntag musizierte nun das kleine Hausorchester Trimborn und schon fr\u00fch lernte er, wie man anderen Menschen Freude bereiten kann.<\/h3><h3>Nach Abschluss einer kaufm\u00e4nnisch-technischen Lehre wechselte er zur Firma\u00a0<em>Halfen<\/em>\u00a0nach D\u00fcsseldorf, wo er nach dem Geigenspiel sein zweites Schl\u00fcsselerlebnis hatte, das Auswirkungen bis auf den heutigen Tag hat:\u00a0<strong><em>die Ankerschiene.<\/em><\/strong><\/h3><h3>Ankerschienen sind kleine Bauelemente aus Stahl, die z.B. in W\u00e4nde und Decken einbetoniert werden und mit denen man schwere Lasten befestigen kann. Die Ankerschiene, mit der Ferdi Trimborn nun t\u00e4glich zu tun hatte, ging ihm nicht mehr aus dem Kopf: Er wollte sie verbessern, professioneller verarbeiten, hatte neue Ideen zur Befestigung durch die so genannte Ankerschraube.<\/h3><h3>Doch zu einer Umsetzung der Ideen kam es leider \u2013\u00a0<em>vorerst<\/em>\u00a0\u2013 nicht mehr.<\/h3><h3>Mit 19 wurde Ferdinand Trimborn eingezogen und erlebte die schrecklichsten 10 Jahre seines Lebens. Er war in D\u00fcnkirchen, wurde mehrfach verwundet, landete 6 Wochen im Lazarett, schlie\u00dflich in Kriegsgefangenschaft. Und auch hier merkte er, wie Musik die T\u00fcren und die Herzen \u00f6ffnet: Als er einmal auf der Violine eines Serganten die kleine Nachtmusik auswendig spielte, wurde er fortan immer wieder zum Musizieren eingeladen und konnte nicht nur den Menschen eine Freude machen, sondern auch ihm wurde gegeben. Auch derartige Erlebnisse sind pr\u00e4gend f\u00fcr sein weiteres Leben.<\/h3><h3>1948 kam er zur\u00fcck nach Ratingen, wurde als Eisen-Entroster in seiner alten Firma wieder eingestellt und holte in einfachsten Verh\u00e4ltnissen abends in D\u00fcsseldorf auf der Grafenberger-Allee einen Schulabschluss nach. Parallel hierzu lernte der inzwischen 29j\u00e4hrige Ferdinand beim Tanzen Irmgard, eine junge F\u00f6rstertochter kennen, mit der er fast 60 Jahre verheiratet war.<\/h3><h3>W\u00e4hrend der 10 Jahre Krieg und Gefangenschaft ist ihm die Ankerschiene nicht aus dem Kopf gegangen. Wo immer er konnte, hat er heimlich Zeichnungen dieses Bauelementes angefertigt und auch sp\u00e4ter, in seiner alten Firma, t\u00fcftelte er weiter an der Idee, eine eigene Ankerschiene zu bauen. Nur durch eisernes Sparen wurde fast 10 Jahre sp\u00e4ter sein Traum Wirklichkeit.<\/h3><h3>Nach dem Tod seines Chefs in D\u00fcsseldorf mietete er in Ratingen auf der Kaiserswertherstra\u00dfe eine kleine Halle, kaufte einen Schwebekran und meldete f\u00fcr das neue Bauelement\u00a0 Musterschutz f\u00fcr 25 Jahre an : Die\u00a0<em><strong>Timborn-Ankerschiene<\/strong>\u00a0<\/em>und gr\u00fcndete die\u00a0 \u201e<em>Ferdinand Trimborn Fabrik f\u00fcr Ankerschienen (GmbH)\u201c<\/em><\/h3><h3>Obwohl im ersten Jahr die Miete h\u00f6her war als der Umsatz, lie\u00df Ferdinand Trimborn sich nicht entmutigen und expandierte in kleinen Schritten. Er zog in Ratingen um in die Sandstra\u00dfe, dann in die Boschstra\u00dfe, wo er zuletzt auf \u00fcber 4000 Quadratmetern in Hallen, einem B\u00fcrogeb\u00e4ude und mit einem 10 Tonnen-Kran mit 20 Leuten Personal seine Ankerschiene vollautomatisch produzieren konnte. Zum Schluss verarbeitete Ferdinand Trimborn \u00fcber 1000 Tonnen Stahl zu Ankerschienen.<\/h3><h3 id=\"attachment_6798\" class=\"thumbnail wp-caption alignleft\">Inzwischen hatte sich seine neue Ankerschiene derart etabliert, dass sie heute bei keinem gr\u00f6\u00dferen Bau mehr fehlt, die Timborn-Ankerschiene ist zur Marke geworden.<\/h3><div class=\"entry-content\"><h3>W\u00e4hrend der vielen Jahre des Aufbaus und der harten Arbeit in seinem Werk blieb ihm nicht viel Zeit f\u00fcr Hobbys \u00fcbrig. Dennoch pflegte Ferdinand Trimborn w\u00e4hrend der gesamten Zeit die Musik, spielte in einem kleinen Orchester mit, das z.B. in Krankenh\u00e4usern auftrat, um den Patienten eine Freude zu bereiten.<\/h3><h3>Daneben hatte er nach eigenen Aussagen zwei weitere Leidenschaften: zum einen das Golfspiel \u2013 immerhin Handicap 6 \u2013 und sch\u00f6ne, kraftvolle Autos. Allerdings waren weite Reisen mit den Limousinen nicht m\u00f6glich \u2013 dazu fehlte immer wieder die Zeit \u2013 h\u00f6chstens bis nach Ascona, wo er mit seiner Frau \u00fcber mehrere Jahrzehnte ein traumhaft gelegenes Urlaubs-Domizil besa\u00df.<\/h3><h3>1975 entschloss sich Ferdinand Trimborn, seinen erfolgreichen Betrieb gewinnbringend zu verkaufen und sich endg\u00fcltig von der Timborn-Ankerschiene zu trennen \u2013 die aber auch ohne ihn im gesamten Bauwesen bis heute ein Begriff ist.<\/h3><h3>Seitdem hat Ferdinand Trimborn ein neues Leben begonnen: als Spender und Wohlt\u00e4ter \u2013 als ein Mensch, der gibt, wo er nur kann \u2013 ohne dar\u00fcber gro\u00df zu reden.<\/h3><h3>Begonnen hatte dieses neue Leben mit einem Erlebnis im Evangelischen Krankenhaus Ratingen : Als er sah, wie seine Frau dort in einem alten, unzureichend ausgestatteten Operationssaal im Keller operiert worden war, stellte er ohne Z\u00f6gern der Klinik 250 000 D-Mark f\u00fcr einen Neubau des Operationsbereiches zur Verf\u00fcgung \u2013 als Beginn einer Spenden-Serie, die bis zu seinem Tod 2008 anhielt.<\/h3><h3>Nach weiteren Spenden im Rather Krankenhaus, einer Kirchenorgel, 1000 B\u00e4umen f\u00fcr den Golf-Platz und weiteren Spenden, die inzwischen 2 Din-A-4 Seiten f\u00fcllen, kam dem Musikliebhaber die Idee, den musikalischen Nachwuchs in seiner Heimatstadt und im Rheinland zu f\u00f6rdern \u2013 in einer Zeit, in der die meisten jungen Menschen nur wenig Interesse f\u00fcr klassische Musik zeigten. Diese inzwischen gut funktionierende kulturelle Glanzleistung gelang dem M\u00e4zen durch zwei Dinge: Zum einen durch die Schaffung zweier Musik-F\u00f6rderpreise f\u00fcr junge Menschen als nachhaltige F\u00f6rderung von Musik-Talenten seit 1999 (Der Ratinger-Trimborn-F\u00f6rderpreis ist mit 3000 Euro Preisgeldern dotiert, der Trimborn-F\u00f6rderpreis-NRW mit 6000 Euro \u2013 wobei der landesweite Ferdinand Trimborn Preis zus\u00e4tzlich noch beim Preistr\u00e4gerkonzert das Folkwang Kammerorchester Essen mitfinanziert )<\/h3><h3 class=\"entry-content\">\u00a0<\/h3><h3>Zum anderen durch den Neubau des mit optimaler Akustik ausgestatteten Musiksaals in Ratingen an der Poststra\u00dfe, als Plattform und B\u00fchne. \u00dcber 1 Million Euro nahm der Musikliebhaber f\u00fcr den 2006 eingeweihten Saal in die Hand.<\/h3><h3>Solche Menschen in der Kombination von Erfindergeist, Mut, wirtschaftlichem K\u00f6nnen und Erfolg sowie kultureller Leidenschaft braucht die Welt, wenn Kultur neben \u00f6ffentlicher F\u00f6rderung lebendig bleiben und ausgebaut werden will. Es ist ein Gl\u00fcck, dass Ferdinand Trimborn seine geniale Ankerschiene grade von Ratingen aus prodziert hat und von hier aus in die gesamte Welt schicken konnte. Und es zeigt, wie oft die kleinsten Dinge die gr\u00f6\u00dfte Wirkung haben k\u00f6nnen: Von der (kleinen) Ankerschiene zum (gro\u00dfen) Festsaal eben.<\/h3><h3>Seiner Ehefrau, Irmgard Trimborn, ist ist in diesem Jahr (2019) 98j\u00e4hrig in Ratingen verstorben.<\/h3><h3 class=\"thumbnail wp-caption alignleft\">Ferdinand Trimborn\/Skulptur: Yildrim Denizli<\/h3><h3 class=\"entry-content\">\u00a0<\/h3><h3>Link:<a href=\"http:\/\/www.stadt-ratingen.de\/buergerservice\/stadtrat\/ehrenring_ehrenbuergerschaft\/ehrenbuerger\/ferdinand_trimborn\/\" data-slimstat=\"5\">\u00a0http:\/\/www.stadt-ratingen.de\/buergerservice\/stadtrat\/ehrenring_ehrenbuergerschaft\/ehrenbuerger\/ferdinand_trimborn\/<\/a><\/h3><h3>C Text\/Foto Michael Troesser<\/h3><\/div><\/div>\t\t\t\t\t<\/div>\n\t\t\t\t\t\t<\/div>\n\t\t\t\t<\/div>\n\t\t\t\t\t\t<\/div>\n\t\t\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/div>\n\t\t\t\t\t\t\t\t<\/div>\n\t\t\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/section>\n\t\t\t\t\t\t\t\t\t<\/div>\n\t\t\t<\/div>\n\t\t\t\t\t<\/div>\n\t\t","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Den Namen kennen viele in Ratingen. 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