{"id":73,"date":"2020-05-13T17:15:33","date_gmt":"2020-05-13T17:15:33","guid":{"rendered":"http:\/\/web349.c5.webspace-verkauf.de\/?page_id=73"},"modified":"2024-06-13T11:23:09","modified_gmt":"2024-06-13T11:23:09","slug":"spurengang","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/www.troesser-art.de\/?page_id=73","title":{"rendered":"Spurengang"},"content":{"rendered":"\t\t<div data-elementor-type=\"wp-page\" data-elementor-id=\"73\" class=\"elementor elementor-73\">\n\t\t\t\t\t\t<div class=\"elementor-inner\">\n\t\t\t\t<div class=\"elementor-section-wrap\">\n\t\t\t\t\t\t\t\t\t<section class=\"elementor-section elementor-top-section elementor-element elementor-element-0e82d67 elementor-section-full_width elementor-section-height-default elementor-section-height-default\" data-id=\"0e82d67\" data-element_type=\"section\">\n\t\t\t\t\t\t<div class=\"elementor-container elementor-column-gap-default\">\n\t\t\t\t\t\t\t<div class=\"elementor-row\">\n\t\t\t\t\t<div class=\"elementor-column elementor-col-100 elementor-top-column elementor-element elementor-element-ad6b09c\" data-id=\"ad6b09c\" data-element_type=\"column\">\n\t\t\t<div class=\"elementor-column-wrap elementor-element-populated\">\n\t\t\t\t\t\t\t<div class=\"elementor-widget-wrap\">\n\t\t\t\t\t\t<div class=\"elementor-element elementor-element-0883d72 elementor-widget elementor-widget-text-editor\" data-id=\"0883d72\" data-element_type=\"widget\" data-widget_type=\"text-editor.default\">\n\t\t\t\t<div class=\"elementor-widget-container\">\n\t\t\t\t\t\t\t\t<div class=\"elementor-text-editor elementor-clearfix\">\n\t\t\t\t<p>Der Schnee reicht bis zum Horizont.<br \/>Eine weite, wei\u00dfe Fl\u00e4che mit kleinen, unbedeutenden Erhebungen. Gef\u00fchllose Stille von allen Seiten. Auf einem H\u00fcgel sieht er das Ziel, kurz vor dem Ende des M\u00f6glichen. Ein kleiner schwarzer Punkt. Nicht gr\u00f6\u00dfer als der Kopf einer kaum wahrnehmbaren Stecknadel im Schnee.<br \/>Fu\u00dfspuren, die gr\u00f6\u00dfer sind als seine eigenen, f\u00fchren ihn, weisen ihm den Weg. Bei jedem Schritt in die vorgezeichneten Vertiefungen sinkt er ein und hat M\u00fche bei jedem weiteren.<br \/>Unter ihm, unter dem Schnee ist Eis, hier und da von schmalen, schwarzen Spalten zerschnitten. Tief unter dem Eis ruht Wasser, nichts als Wasser bis weit \u00fcber das Ziel und die Zeit hinaus. Ein nicht fassbares Zeichen von Ewigkeit und gelebtem Leben.<br \/>Die Sonne reflektiert an den R\u00e4ndern der gro\u00dfen Fu\u00dfspuren kleine, bunte Diamanten, die er aufheben will. Sie zerschmelzen bei der kleinsten Ber\u00fchrung.<br \/>Er geht langsam, schleppend, vorn\u00fcber gebeugt. Ein Seil schneidet tief in seine Schulter ein. Hinter sich zieht er den flachen Schlitten, sorgsam mit Planen verknotet. Ort seiner noch verbliebenen Habe. An der Seite h\u00e4ngt baumelnd das Geschenk. Seine Augen scheinen von der Sonne zu erblinden, die ihm entgegen strahlt. Die K\u00e4lte sitzt tief in seinem Bart, in den Haaren, die links und rechts die Pelzm\u00fctze verlassen.<br \/>Jeder Blick zur\u00fcck ist ein heimliches Eingest\u00e4ndnis in die wei\u00dfe W\u00fcste der Vergangenheit. Jeder Blick nach vorne in die Ungewissheit des Seins. Einzig das Ziel bleibt die Hoffnung. Pl\u00f6tzlich, wie aus dem Nichts, verdoppeln sich die Spuren und geben eine Gabelung frei, die er nicht zu deuten wei\u00df.<br \/>\u201eWarum eine Entscheidung in der Entscheidung?\u201c denkt er.<br \/>\u201eWer fordert wieder? Von woher diese pl\u00f6tzliche M\u00f6glichkeit abzuzweigen?\u201c<br \/>Er st\u00f6\u00dft Verw\u00fcnschungen aus, die keiner h\u00f6rt. Keiner wei\u00df, wem sie gelten.<br \/>Mit einem Ruck zieht er den Schlitten an und erstickt jede weitere \u00dcberlegung.<\/p><p>Er versucht den neuen Weg, doch das Seil vom Schlitten rei\u00dft. Langsam dreht er sich um, so als w\u00e4re ihm jede Bewegung zu viel, b\u00fcckt sich und knotet mit Bedacht das Seil nah am Schlitten.<br \/>Dann ein weiterer Versuch und der Schlitten gleitet hinter ihm auf dem neuen Weg. Die erste Zeit in der Ungewissheit schnauft er voller Unruhe, doch dann hat er sich an die neuen Spuren gew\u00f6hnt, die kleiner und weniger m\u00fchsam sind, als die ersten. Auch wenn er jetzt das Ziel kurz aus den Augen verliert, glaubt er an den neuen Weg. Doch langsam, nach und nach merkt er, wie die neuen Spuren eine Kreisbahn formen, immer enger werden, wie eine Spirale, die schlie\u00dflich endet an einem unvorhersehbaren kleinen Punkt vor einem schwarzen Loch im Schnee. Das Ende des neuen Weges, des Auswegs.<br \/>Er schaut in die Sonne, sucht wieder mit zugekniffenen Augen das Ziel. Er hat es verloren.<br \/>Die Wegspirale hat hin hinweggef\u00fchrt. \u201eIch bin ein auf falscher Strecke gebliebener, ein durch seine Entscheidung nach der Entscheidung verlorener, der sein Ziel nicht erreichen wird, wenn die dunklen D\u00e4monen der Nacht mir das Licht zum Zielen l\u00f6schen.\u201c<br \/>Langsam beugt er sich hinunter, legt das frierende Ohr an das Loch und h\u00f6rt ein leises Rauschen wie Musik. \u201eDie T\u00f6ne schneiden den gr\u00f6\u00dften Schmerz\u201c, denkt er, nimmt seine steifen H\u00e4nde, formt sie zu einem Sprachrohr und versucht zu schreien. Seine Gedanken haben die Worte schon auf den Weg geschickt, doch sie kommen nicht aus ihm heraus.<br \/>Nur ein leises, fast verzweifeltes St\u00f6hnen. \u201eGute Reise zum Ziel\u201c glaubt er zu h\u00f6ren, war es der Anflug eines sehns\u00fcchtigen Wunsches oder ein ironisch b\u00f6ser Fluch?<br \/>Behutsam richtet er sich auf, dreht den Schlitten um, legt die Schnur \u00fcber die Schulter sieht die Spuren der Spirale, orientiert sich kurz am Stand der Sonne und beginnt seinen Weg zur\u00fcck.<br \/>Angekommen bei seiner alten Spur sieht er endlich wieder sein Ziel wie ein Freudenhaus.<br \/>Jetzt folgt er dem Weg der tiefen Furchen, doch seine Kr\u00e4fte werden immer schw\u00e4cher.<br \/>Immer \u00f6fter h\u00e4lt er an, um tonlos zu fluchen, mit schmalen Augen das Ziel zu fixieren, das nicht n\u00e4her zu kommen scheint.<br \/>Schlie\u00dflich h\u00f6rt er von Ferne einen Pferdeschlitten, bald die hellen Glocken, sieht die schwarzen Hengste gegen die Sonne. Die Ger\u00e4usche sind wie W\u00e4rme f\u00fcr seine Ohren, Labsal f\u00fcr die Seele. Er nimmt einen Arm hoch und versucht zu winken. Dann rudert er verzweifelt mit beiden Armen in der Luft, doch die Bewegungen ersterben in sich selbst, als w\u00e4ren sie niemals gewesen. \u201eHalt an Kutscher, nimm mich mit auf die Reise. Sag doch<br \/>ein Wort zum mir. Spiel mir auf deiner Fl\u00f6te!\u201c Wie ein Wahnbild fliegt das Gespann davon und l\u00e4sst ihn allen in seinen Fu\u00dfspuren zur\u00fcck. Tr\u00e4nen werden zu Eistropfen vor seinen Augen. Kleben wie Geschw\u00fcre auf seinen Wangen.<br \/>Einmal sieht er ein dunkles B\u00fcndel, fast wie ein toter Igel, nicht weit von seiner Spur. Er stellt den Schlitten ab, legt das Seil vorsichtig zurecht und wagt die Schritte abseits des Weges. Abseits der Spur. Das Eis unter ihm knallt wie alte Geschosse. Irgendwo in der Ferne die Geburt neuer schwarzer Spalten.<br \/>Dann steht er vor dem B\u00fcndel. Zerfressene Kordelreste klammern sich um das nasse, Etwas. Seine Finger versuchen sich an den Knoten, doch kein Zentimeter \u00f6ffnet sich das Geheimnis. L\u00e4sst keine Blicke zu. Das Leinen scheint zu atmen wie runde Geschlossenheit ohne K\u00e4lte. Mit dem Stiefel st\u00f6\u00dft er dem Geheimnis in die Seite. Wie erschrocken dreht es sich um, f\u00e4llt in sich zusammen und gr\u00e4bt sich f\u00fcr immer in den Schnee. Wieder Stille.<br \/>Zur\u00fcck auf seinem Weg schaut er sich um. Nichts als wei\u00dfe Fl\u00e4che, vereinzelt von den St\u00f6cken der Eisfischer durchbrochen, um ihre L\u00f6cher wiederzufinden. Zeichen versuchten Lebens. Je mehr er geht, zieht, erm\u00fcdet, desto mehr wird alles eins. Die K\u00e4lte, die Weite, die Sorge, die Hoffnung. Allein das Ziel gibt ihm noch Kraft zum leben.<br \/>Unverhofft sieht er neben sich eine junge Frau in fester K\u00e4ltekleidung. Er kann es nicht fassen, sieht nur ihre Augen. Die Augen aller Frauen in seinem Leben. Er streckt ihr seine freie Hand entgegen in der Hoffnung auf lichte Schwaden von N\u00e4he und W\u00e4rme. Doch als er sie ber\u00fchren will, schmilzt sie in sich zusammen und auch sie vereinigt sich mit dem Puder des Schnees. Seine Realit\u00e4t und sein Traum haben sich gepaart. Er wei\u00df nicht<br \/>mehr, wo seine Phantasie beginnt und sein Gef\u00fchl endet. Alles schlie\u00dft sich in ihm zusammen, nur das weite Ziel vor Augen ortet seine Kraft.<br \/>Einmal die schwarze Silhouette eines gro\u00dfen, stummen Vogels genau \u00fcber ihm.<\/p><p>Er scheint nicht zu fliegen, sondern im Blau zu verharren. Es k\u00f6nnte genauso gut ein in die H\u00f6he geworfener Stein sein, in der K\u00e4lte schwebend.<br \/>Die Erde ist tot. Wo bleiben die Stimmen der Tiere, das Schreien der Kinder, das Lachen der \u00fcberm\u00fctigen M\u00e4dchen? Wo die warmen Ges\u00e4nge der Mutter, die Freude beim \u00fcberqueren des Flusses? Nichts als Trugbilder ihrer selbst. Abgelegte Filme der Vergangenheit. Auch das Gr\u00fcn ist nicht mehr. Das helle Gr\u00fcn der Wiesen, das Gr\u00fcn der Eidechse, das Gr\u00fcn des Rosenstocks, der sich am alten Kamin verrankt. War das Gr\u00fcn mehr als eine Brechung der Netzhaut? Mehr als ein Wahnbild der Augen? Oder nur<br \/>verf\u00fchrerische Truggestalten einer entstellten Welt?<br \/>Als die tiefe Sonne das wei\u00dfe B\u00fchnenbild in Farbe taucht, die St\u00f6cke der Eisfischer zunehmen und immer neue Fu\u00dfspuren sich wie aus sich selbst heraus formieren, ist das Ziel bald erreicht.<br \/>Je n\u00e4her er kommt, um so gr\u00f6\u00dfer w\u00e4chst aus dem kleinen Punkt am Horizont langsam ein Haus, hoch oben auf dem Eish\u00fcgel. Ein gro\u00dfes Geb\u00e4ude mit T\u00fcrmchen und Kaminen, Erkern und abgebrochenen Balkonen, mal dunkel, dort heller, mit festen Au\u00dfenw\u00e4nden und verfaulten Planken, die vor der Last der M\u00f6glichkeiten \u00e4chzen. Ein m\u00e4chtiges Werk, das sich ohne Bedrohung abhebt von dem Lila des Abendhimmels.<\/p><p>Doch all das sieht er nicht. Er sieht nur die Haust\u00fcre dort oben, das Ziel aller W\u00fcnsche. Noch nie in seinem Leben hatte ein \u00dcbergang eine solche Bedeutung. Da keine Stufen in das Eis des H\u00fcgels geschlagen sind, die zum Besuch einladen, versucht er es auf allen Vieren, rutscht immer wieder ab, sodass es eine Weile dauert, bis er mit steif gefrorenen H\u00e4nden und dem Geschenk auf dem R\u00fccken mit letzter Kraft oben sein Ziel erreicht.<br \/>Zwischendurch angebundene Hunde mit fletschenden Z\u00e4hnen, die ihn willkommen hei\u00dfen, die dem Neuank\u00f6mmling aber nichts anhaben k\u00f6nnen. Das helle Gebell weht ihm ihren Atem entgegen wie lange ersehnte Zeichen von W\u00e4rme und Leben.<br \/>Ersch\u00f6pft, doch gleichsam erleichtert setzt er sich auf eine marode Bank nah der T\u00fcre, zieht die zerfrorene M\u00fctze m\u00fchsam vom Kopf, klopft seine Stiefel ab.<br \/>\u201eIch bin angekommen\u201c sagt er leise und lernt zum ersten Mal wieder zu l\u00e4cheln. Breit und voller Erwartung stellt er sich vor der T\u00fcre auf, wischt sich den Restschnee von dem alten Mantel und dreht mit letzter Kraft am Knauf. Weit hinten h\u00f6rt er ein Schl\u00fcrfen, Schritte. Die T\u00fcre wird einen Spalt ge\u00f6ffnet.<br \/>\u201eWir erwarten keinen Besuch\u201c zischt ihm ein Alter durch zahnlose Lippen entgegen.<br \/>\u201eIch bin angemeldet!\u201c Antwort er :\u201cSeit langer Zeit\u201c.<br \/>Die T\u00fcr wird wieder geschlossen und wieder ist er alleine mit den fletschenden Hunden.<br \/>Es dauert ihm eine Ewigkeit, bis endlich die Kette entfernt und die T\u00fcre ge\u00f6ffnet wird.<br \/>Der alte, gebeugte Mann steht kaum sichtbar im Flur und macht ihm eine Bewegung ins Innere.<br \/>\u201eIch bin angemeldet, schon ein Leben lang!Ich habe ein Geschenk!,\u201c sagt er noch einmal mit zitternder Stimme, doch der Alte macht nur wieder seine Armbewegung ins Innere.<br \/>Im Haus ist es halbdunkel und riecht feucht. Moder schl\u00e4gt ihm entgegen. Ein langer, kaum verputzter Gang f\u00fchrt ihn in die Schl\u00e4chterei. Pl\u00f6tzlich ist es taghell. Hier h\u00e4ngen an gro\u00dfen, mattsilbernen Haken dunkelbraune, verschn\u00fcrte B\u00fcndel von der Decke hinab.<br \/>Das zerlumpte Leinen atmet nicht mehr. Es stinkt nach totem Fisch,<br \/>An der Wand steht der pralle Schl\u00e4chter wie aufgepumpt in seinem blutbespritztdem Kittel.<br \/>Mit dem Messer in der Hand schaut der den Ank\u00f6mmling aus kleinen, roten Augen fl\u00fcchtig an.<br \/>\u201eIch bin angemeldet, ich habe ein Geschenk!\u201c versucht er es erneut, versucht dem Koloss seine Langweile zu vertreiben.<br \/>Der sieht in eine andere Richtung und sagt bitter:<br \/>\u201cEs hat genug gegeben von Deiner Sorte. Geschenke bleiben nicht.\u201c<br \/>Dann geht er schl\u00fcrfend zur Seite, \u00f6ffnet die T\u00fcre und weist ihm mit dem Messer den Weg in einen weiteren Gang hinaus. Ihm bleibt keine Wahl.<br \/>In einem Erker trifft er auf den Kutscher, der in sich versunken in der Ecke hockt und unbeholfen auf seiner Fl\u00f6te spielt. Als er den Ank\u00f6mmling sieht, beendet er abrupt sein Spiel und zeigt ihm unmissverst\u00e4ndlich mit seiner Fl\u00f6te den Weg in einen weiteren Gang.<br \/>Schlie\u00dflich h\u00f6rt er in einem Nebenraum den Rhythmus einer unge\u00f6lten Liebesmaschine.<br \/>Durch ein zu hohes Fenster schaut er, m\u00fchsam auf seinen Zehenspitzen stehend, in den hell erleuchteten Raum, wo ein nacktes, altes Paar, eingezw\u00e4ngt in die Maschine versucht, sich zu vergessen. Bei jeder Bewegung schleift die helle Pergamenthaut der beiden aneinander wie zu grobes Schleifpapier. Ungest\u00f6rt von gelangweilten Umherstehenden wird die Maschine bewegt, mit gleichg\u00fcltigem Gesichtsausdruck.<br \/>\u201eJeder kommt einmal dran, denkt er. Jeder. \u201cAls ein verkr\u00fcppelter Ordner den Schauenden sieht, st\u00f6\u00dft der ihn mit seinem Gummistab leicht an und zeigt zu einem weiteren Flur. \u201eIch bin angemeldet! Wann bin ich am Ziel?\u201c fragt er den Kr\u00fcppel, halb flehend. Doch der hat sein Gesicht schon wieder verschlossen.<br \/>Am Ende kommt er endlich in den warmen Raum f\u00fcr Geschenke. Zwischen ausgestopften Spinnen und Wasserbeh\u00e4ltern, bemalter Urnen und vergilbten Friedenspfeifen macht er weitere Geschenke aus. Verschn\u00f6rkelte Heiligenfiguren mit Rosenkr\u00e4nzen, originalverpackte Sch\u00e4del, Entgiftungsmittel, Mitbringsel aus fernen L\u00e4ndern, alte Puppen<br \/>ohne Augen, zerbrochene Uhren und buntbedruckte Bilder, auf denen die Menschen ausgeschnitten sind.<br \/>Gierig rei\u00dft der Geschenkdiener ihm das Geschenk aus der Hand und wirft es ungesehen und nur noch notd\u00fcrftig verpackt in einem hohem Bogen lieblos zu den \u00fcbrigen, wo das Leinen leise aufschreit wie ein alleine gelassenes Kind.<br \/>Stumm zeigt der Diener auf die T\u00fcre nach drau\u00dfen, die wegen der K\u00e4lte mit schweren alten Matratzen abgedichtet ist.<br \/>Mit letzter Kraft und v\u00f6llig entmachtet von seinem Ziel schiebt er die Matratzen zur Seite, \u00f6ffnet mit einem Ruck die T\u00fcre und steht wieder ihm Freiern, dessen Licht die Sonne l\u00e4ngst verlassen hat.<br \/>Auf einem dreibeinigen Schemel sitzt eine von festem Stoff gehaltene Greisin. Sie singt leise das Lied vom Kutscher vor sich hin.<br \/>Er stellt sich voll w\u00fctender Verzweiflung dicht vor ihr auf und versperrt ihr die Sicht:<br \/>\u201eMein Geschenk habe ich abgegeben, ich war angemeldet, wo also ist mein Ziel?\u201c Die Greisin schlie\u00dft ihren Gesang, zeigt mit einer leichten Kopfbewegung \u00fcber die unendliche Schneedecke bis zum Horizont, zeigt \u00fcber das Eis, zeigt am Sternenhimmel entlang auf einen kleinen Punkt am Ende der Zeit, der leicht flackert wie verbrennende Kohlen. \u201eDort ist Dein Ziel, Dein Schlitten ist schon bereitet. Dein Geschenk musst Du Dir selbst besorgen. Und bedenke, es hat viele Suchende vor Dir gegeben. Sie alle suchten ihr Ziel.\u201c Dann f\u00e4llt sie leicht in sich zusammen, beachtet ihn nicht weiter und vollendet das Lied vom Kutscher.<br \/>Ohne lange zu \u00fcberlegen, kalt im Herz und auf der Haut, mit vielen Bildern und T\u00f6nen in den Sinnen, l\u00e4sst er sich den Eishang hinuntergleiten, zieht sich sorgsam die Fellm\u00fctze auf, nimmt die Kordel des Schlittens in die zerfurchten H\u00e4nde, schaut ein letztes mal hoch zum Haus, sucht die tiefen Spuren im Schnee und beginnt langsam mit seinem Blick zum<br \/>Horizont seinen neuen Weg. Schlie\u00dflich paart sich seine Angst mit Zuversicht, die ihn sicher durch die kalte Nacht tragen werden. Die Spuren im Schnee weisen ihm den Weg.<\/p><p>C Michael Troesser 1973\/2024<\/p>\t\t\t\t\t<\/div>\n\t\t\t\t\t\t<\/div>\n\t\t\t\t<\/div>\n\t\t\t\t\t\t<\/div>\n\t\t\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/div>\n\t\t\t\t\t\t\t\t<\/div>\n\t\t\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/section>\n\t\t\t\t\t\t\t\t\t<\/div>\n\t\t\t<\/div>\n\t\t\t\t\t<\/div>\n\t\t","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der Schnee reicht bis zum Horizont.Eine weite, wei\u00dfe Fl\u00e4che mit kleinen, unbedeutenden Erhebungen. Gef\u00fchllose Stille von allen Seiten. Auf einem H\u00fcgel sieht er das Ziel, kurz vor dem Ende des M\u00f6glichen. Ein kleiner schwarzer Punkt. 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